11 February 2026, 20:41

20 Jahre Duldung in Köln: Wie ein abgelehnter Asylbewerber 7.250 Euro Sozialhilfe monatlich erhält

Eine rote Briefmarke aus dem Jahr 1938 mit der Aufschrift "Bosnien Herzegowina" und einer Illustration von Bergen und einem Fluss in unbenutztem Zustand.

20 Jahre Duldung in Köln: Wie ein abgelehnter Asylbewerber 7.250 Euro Sozialhilfe monatlich erhält

Ein Bosnier namens Huso B. lebt seit mehr als zwei Jahrzehnten in Köln – obwohl sein Asylantrag abgelehnt wurde. Seit 2003 erhält er staatliche Leistungen in Höhe von insgesamt 7.250,77 Euro monatlich für seine zehnköpfige Familie. Der Fall hat nun, nach öffentlicher Aufmerksamkeit, eine interne Prüfung durch die Kölner Verwaltung ausgelöst.

Huso B. kam erstmals 2003 nach Deutschland, doch sein Asylgesuch wurde abgelehnt, da Bosnien-Herzegowina als sicheres Herkunftsland eingestuft wird. Statt einer Abschiebung erhielt er eine Duldung – eine vorübergehende Aussetzung der Abschiebung –, weil seine in Deutschland geborenen Kinder dies rechtfertigten. Dieser Status ermöglicht es ihm, seit 19 Jahren im Land zu bleiben.

Seine Vorstrafen reichen mindestens bis 2010 zurück, mit mehreren Verurteilungen wegen Betrugs. Zuletzt stand er im Verdacht, an einer Drogeriekette Giftkarten betrügerisch erworben zu haben. Trotz dieser Vorfälle wurde seine Abschiebung immer wieder verschoben – unter anderem wegen des Schutzes der Familieneinheit und des Kindeswohls.

Der Fall wirft Fragen zur Vollzugspraxis auf. Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ordnete nach Bekanntwerden der Details eine interne Überprüfung an. Gleichzeitig bearbeitet das Kölner Ausländeramt 1.080 offene Fälle im Zusammenhang mit freiwilligen Ausreisen oder Abschiebungen. Allein 2025 wurden 245 Personen abgeschoben, darunter 130 verurteilte Straftäter.

Bundesweit lebten Ende 2025 über 190.000 Menschen mit einer Duldung in Deutschland, wobei aktuelle Zahlen für 2023 oder regionale Aufschlüsselungen unklar bleiben.

Huso B. bezieht weiterhin Sozialleistungen, während seine Abschiebung auf Eis liegt. Die städtische Prüfung soll klären, wie mit solchen Fällen künftig umgegangen wird. Sein Schicksal steht exemplarisch für die größeren Herausforderungen, die sich aus dem Spannungsfeld zwischen Migrationsvollzug, Kinderrechten und dem Schutz langjähriger Bewohner ergeben.