Ältere Migranten: Einsamkeit und unerkannte psychische Belastungen nach Jahrzehnten in Deutschland
Ladislaus DowergÄltere Migranten: Einsamkeit und unerkannte psychische Belastungen nach Jahrzehnten in Deutschland
Vor über 60 Jahren warb Deutschland ausländische Arbeitskräfte an, um den Arbeitskräftemangel nach dem Zweiten Weltkrieg zu beheben. Viele von ihnen, wie die Eltern des Komikers Fatih Çevikkollu, kamen mit der Erwartung, nur vorübergehend zu bleiben. Doch Jahrzehnte später haben ältere Migrantinnen und Migranten nach wie vor große Hürden, wenn es um den Zugang zu psychischer Gesundheitsversorgung geht – obwohl es spezialisierte Angebote gibt.
Die Eltern von Fatih Çevikkollu zogen in den 1960er-Jahren als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland. Sein Vater, ein gelernter Schlosser, und seine Mutter, eine ausgebildete Grundschullehrerin, planten ursprünglich, irgendwann in ihre Heimat zurückzukehren. Stattdessen blieben sie – seine Mutter erlebte dabei einen deutlichen „Statusverlust“: Statt zu unterrichten, arbeitete sie als Näherin.
Jahrzehntelang weigerte sich Deutschland, sich als Einwanderungsland zu begreifen. Die offizielle Politik leugnete bis in die frühen 2000er-Jahre hinein den Bedarf an Integrations- und Sprachförderung. Dieser Mangel an Unterstützung ließ viele ältere Migrantinnen und Migranten isoliert zurück – sie kämpften mit Einsamkeit und unerkannter psychischer Belastung.
Dr. Uwe Johansson und Dr. Gürsel Çapanoğlu verweisen auf Einsamkeit als ein weitverbreitetes Problem in dieser Gruppe. Psychische Erkrankungen werden oft nicht erkannt, weil sich die Symptome eher körperlich als emotional äußern. Unterschiedliche kulturelle Vorstellungen von Gesundheit erschweren zudem die Diagnose und Behandlung.
Die LWL-Klinik Dortmund betreibt eine interkulturelle Tagesklinik, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Sie bietet psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung an, die auf die Bedürfnisse von Migrantinnen und Migranten zugeschnitten ist. Dennoch bleibt der Zugang für viele ältere Patientinnen und Patienten schwierig – trotz solcher Angebote.
Fachleute betonen, wie dringend kultursensiblere medizinische und therapeutische Ansätze benötigt werden. Ohne sie bleiben die psychischen Gesundheitsbedürfnisse älterer Migrantinnen und Migranten weiter ungedekt. Kliniken wie die in Dortmund zeigen zwar einen möglichen Weg auf, doch sind noch umfassendere systemische Veränderungen nötig.






