16 March 2026, 12:28

Digitalisierung der Verwaltung: Griechenland sprintet – Deutschland stockt

Ein alter Umschlag mit einer Briefmarke, an den Präsidenten der Republik Griechenland adressiert, enthaltend Text.

Digitalisierung der Verwaltung: Griechenland sprintet – Deutschland stockt

Deutschland und Griechenland gehen bei der digitalen Verwaltung völlig unterschiedliche Wege. Während Deutschland bei wichtigen Verfahren noch auf gedruckte Formulare, Faxgeräte und den Postweg setzt, hat Griechenland den Großteil seiner öffentlichen Dienstleistungen rasant ins Internet verlagert. Der Gegensatz zeigt, wie sich die Bürokratie in beiden Ländern unterschiedlich weiterentwickelt.

In Deutschland kann die Abmeldung einer Wohnung zwar per E-Mail eingeleitet werden, doch der Prozess bleibt teilweise analog. Bürger müssen Dokumente ausdrucken, unterschreiben und einscannen, da einige aufgrund von Datenschutzbestimmungen nicht digital eingereicht werden dürfen. Selbst nach Abschluss des Verfahrens muss die Abmeldebestätigung per Post oder Fax eintreffen – eine Zusendung per E-Mail wird nicht akzeptiert. Zudem warten Haustierbesitzer zusätzliche Hürden: Die eigene Abmeldung hebt nicht automatisch die Steueranmeldung für das Tier auf, sodass Besitzer weiterhin Rechnungen erhalten können, wenn sie dies nicht separat erledigen.

Griechenland hingegen hat ein vollständig digitalisiertes System für öffentliche Dienstleistungen eingeführt. Sämtliche Verwaltungsvorgänge laufen mittlerweile über die Plattform gov.gr ab, was physische Dokumente überflüssig macht. Digitale Signaturen ersetzen handschriftliche Unterschriften, und sogar Freiberufler müssen Rechnungen elektronisch einreichen, wobei die Daten direkt an die Steuerbehörden übermittelt werden. Für freiberufliche Journalisten entfällt dadurch die Option der Selbstabrechnung, da Rechnungen nun sofort gemeldet werden müssen.

Auch die Eröffnung eines Geschäftskontos in Griechenland erfolgt vollständig online. Banken nutzen KI, um das Gesicht eines Nutzers mit dem in staatlichen Datenbanken hinterlegten Lichtbildausweis abzugleichen, gefolgt von einem Videoanruf mit einem Mitarbeiter zur Verifizierung. Freiberufler müssen ein Geschäftskonto für Kundenzahlungen vorweisen, wobei Rechnungen über eine kostenlose Regierungssoftware oder lizenzierte private Tools erstellt werden. Griechische Banken testen sogar vollständig digitale Kreditkarten und wollen so nach und nach physische Debitkarten, die per Post verschickt werden, abschaffen.

Doch nicht alle Änderungen verliefen reibungslos. Der griechische Postdienst ELTA kämpft mit Hunderten geschlossenen Filialen und langen Zustellzeiten. Trotz dieser Herausforderungen hat das Land jedoch enorme Fortschritte bei der Digitalisierung seiner Bürokratie gemacht – und lässt Deutschlands gemischtes System aus digitalen und papierbasierten Abläufen weit hinter sich.

Griechenlands konsequente Digitalisierungsoffensive hat zwar viele Dienstleistungen beschleunigt, stellt aber auch eine Hürde für diejenigen dar, die auf traditionelle Postdienste angewiesen sind. Deutschland hingegen hält an einem Hybridmodell fest, in dem digitale Schritte oft noch physische Unterlagen und postalische Bestätigungen erfordern. Die beiden Länder verdeutlichen, wie unterschiedlich die Modernisierung von Verwaltungsstrukturen ausfallen kann.

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