Erleichtertes Wolfsabschussprogramm: Was Umweltschützer und Schäfer dazu sagen
Eva-Maria TrübErleichtertes Wolfsabschussprogramm: Was Umweltschützer und Schäfer dazu sagen
Wölfe in Deutschland unterliegen künftig strengeren Jagdregeln nach Bundesentscheid zur Umstufung im Jagdrecht
Die Neuregelung folgt auf wiederholte Angriffe einer einzelnen Wölfin namens Gloria in Nordrhein-Westfalen (NRW). Während Landwirte und Behörden seit Langem eine vereinfachte Entnahme fordern, warnen Naturschützer vor ungewollten Folgen für die Wolfspopulationen.
Laut Landesmonitoring stieg die Zahl der Wolfsreviere in NRW bis Dezember 2025 von 22 zu Jahresbeginn auf 25 an. Die neuen Bestimmungen erlauben es den Bundesländern, Wölfe zu bejagen, die Nutztiere bedrohen – vorausgesetzt, die lokalen Bestände bleiben stabil.
Den Anstoß für die Entscheidung des Bundeskabinetts gab Gloria, eine Wölfin, die im August 2024 auf dem Hof von Erich Specht in Hünxe (NRW) zwei Schafe riss. Trotz Schutzzaun drang sie in die Umzäunung ein. Bei einem Angriff öffnete sie einem Schaf den Bauch, ohne es am Hals zu beißen – ein für Wölfe ungewöhnliches Verhalten. Ein weiteres Opfer, eine trächtige Schafdame, verlor sein ungeborenes Lamm, das unversehrt zurückblieb.
Glorias wiederholte Attacken veranlassten die Regierung, Wölfe dem Jagdrecht zu unterstellen und damit die Entnahme zu erleichtern. Der Deutsche Jagdverband (DJV) schlägt vor, die Population zwischen Anfang Juni und Ende Oktober um 40 Prozent des jährlichen Zuwachses zu reduzieren. Die Länder können nun ein „Populationsmanagement“ umsetzen, sofern die Bestände als stabil gelten.
Schäfer und Naturschützer reagieren gespalten auf die Änderungen. Während Landwirte die Lockerungen begrüßen, argumentieren Artenschützer, dass Bejagung Rudelstrukturen zerstören könnte. Dies, so ihre Warnung, könnte Nutztierrisse sogar erhöhen und kleinere Wolfsgruppen an den Rand des Aussterbens bringen. Trotz der neuen Entnahmeregeln bleibt die finanzielle Förderung von Schutzmaßnahmen – wie Zäunen oder Herdenschutzhunden – bestehen. Die Regierung betont, dass diese Maßnahmen weiterhin zentral seien, um Konflikte zwischen Wölfen und Landwirten zu vermeiden.
Die Einstufung der Wölfe unter das Jagdrecht markiert einen Wandel im deutschen Wildtiermanagement. Die Bundesländer erhalten nun mehr Spielraum, Wölfe zu bejagen, die Nutztiere reißen – vorausgesetzt, die Bestände bleiben stabil. Glorias Fall ist dabei zum Symbol für die Debatte geworden, wie sich Artenschutz und landwirtschaftliche Interessen in Einklang bringen lassen.