13 March 2026, 14:19

Erzbistum Paderborn: 489 Missbrauchsfälle über sechs Jahrzehnte aufgedeckt

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Bischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Erzbistum Paderborn: 489 Missbrauchsfälle über sechs Jahrzehnte aufgedeckt

Ein neuer Bericht hat weitverbreiteten sexuellen Missbrauch im Erzbistum Paderborn aufgedeckt: Zwischen 1941 und 2002 wurden 489 Fälle dokumentiert. Bischof Udo Markus Bentz bezeichnete die Erkenntnisse als Beleg für ein institutionelles Versagen und bat die Opfer öffentlich um Vergebung. Die Diözese hat bereits 93 Millionen Euro als Entschädigung an Überlebende gezahlt.

Der Skandal reiht sich in jahrelange Ermittlungen zu Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands ein, die erstmals 2010 ans Licht kamen. Nun mehren sich Forderungen nach Konsequenzen – darunter die Umbenennung von Straßen, die beschuldigte Kleriker ehren.

Die aktuelle Untersuchung, durchgeführt von der Kanzlei Feigen und Graf, identifizierte im Erzbistum Paderborn über sechs Jahrzehnte hinweg 489 Opfer und 210 mutmaßliche Täter. Zwar wies der Bericht von 2023 Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt als nicht glaubwürdig zurück, doch die Diözese kündigte eine vertiefte Prüfung seiner Rolle an. Kritiker werfen früheren Untersuchungen vor, systematische Vertuschungen nicht ausreichend aufgeklärt zu haben.

Die Entschuldigung von Bischof Bentz begrüßte Reinhold Harnisch, Sprecher des Opferverbandes, als "notwendigen Schritt zur Wiederherstellung der Würde". Harnisch unterstützte zudem Vorschläge, die Kardinal-Jaeger-Straße und den Kardinal-Degenhardt-Platz umzubenennen – mit Verweis auf anhaltende Vorwürfe wegen Fehlverhaltens und Vertuschung durch Kirchenvertreter.

Eine offizielle Stellungnahme der Bundesregierung steht bisher aus. Stattdessen konzentriert sich das Erzbistum auf interne Reformen, darunter verschärfte Präventionsrichtlinien und laufende Entschädigungszahlungen. Bis Donnerstag wurden 93 Millionen Euro an Missbrauchsopfer ausgezahlt, doch viele fordern tiefgreifendere strukturelle Veränderungen.

Das Erzbistum Paderborn gelobte, die unabhängigen Ermittlungen fortzusetzen – mit neuem Fokus auf historische Versäumnisse. Opferverbände bestehen auf weitere Transparenz, etwa bei der Umbenennung öffentlicher Orte, die mit beschuldigten Persönlichkeiten verbunden sind. Wie die Kirche die Krise bewältigt, bleibt unter kritischer Beobachtung, während Überlebende auf nachhaltige Aufarbeitung drängen.

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