Evangelische Kirchen prüfen Personalakten auf häusliche Gewalt – was jetzt passiert
Ehrentraud ZirmeKirche setzt pensionierte Polizisten ein, um Personalakten zu durchsuchen - Evangelische Kirchen prüfen Personalakten auf häusliche Gewalt – was jetzt passiert
Zwei große evangelische Landeskirchen in Deutschland haben eine umfassende Überprüfung von Personalakten eingeleitet, um frühere Fälle häuslicher Gewalt aufzudecken. Die Evangelische Kirche von Westfalen und die Evangelische Kirche im Rheinland begannen das Verfahren am 1. Februar 2023 – basierend auf den Empfehlungen der ForuM-Studie. Beide Institutionen wollen damit mögliche Verstöße aufarbeiten, bevor gesetzliche Verjährungsfristen ablaufen.
Die Evangelische Kirche im Rheinland durchforstet dabei die Akten in allen 34 Kirchenkreisen, darunter auch im Bezirk Essen. Die Evangelische Kirche von Westfalen hat hingegen zwei ehemalige Polizeibeamte mit jahrzehntelanger Ermittlungserfahrung beauftragt, die Untersuchung zu leiten. Ihre Aufgabe besteht darin, sämtliche Personalakten der regionalen Kirchenverwaltung systematisch zu prüfen.
Zunächst liegt der Fokus auf aktuellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Werden Hinweise auf häusliche Gewalt gefunden, leitet die Kirche die Unterlagen an die Stelle zur Aufarbeitung von Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung (UVSS) weiter, die eine vertiefte Prüfung vornimmt. Je nach Schwere der Vorwürfe können die Konsequenzen von disziplinarischen Maßnahmen bis hin zur Entlassung reichen.
Charlotte Nieße, die Beauftragte der Kirche für Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung, wird die regionalen Synoden über den Fortschritt informieren. Wie lange die gesamte Überprüfung dauern wird, ist jedoch noch unklar.
Die systematische Aktenprüfung stellt einen proaktiven Schritt dar, um frühere Fehlverhalten innerhalb der Kirchen aufzudecken und aufzuarbeiten. Bestätigen sich Verdachtsfälle, werden formelle Verfahren eingeleitet, deren Ausgang sich an der Schwere der Taten orientiert. Das Vorgehen unterstreicht das Bekenntnis zu Aufklärung, Verantwortung und Prävention.






