Facharzt-Überweisungen in der Krise: Warum Patienten in Deutschland länger warten müssen
Facharzt-Überweisungen in der Krise: Warum Patienten in Deutschland länger warten müssen
Kritik am Überweisungssystem für Fachärzte in Deutschland Seit 2019 ist das deutsche System für Facharztüberweisungen in der Kritik. Nach Berichten über steigende Wartezeiten und finanzielle Belastungen fordern der Bundesrechnungshof und die gesetzlichen Krankenkassen umfassende Reformen. Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das 2019 in Kraft trat, sollte die Wartezeit auf Facharzttermine verkürzen. Doch stattdessen stieg die durchschnittliche Wartezeit für Patienten, die mindestens einen Tag auf einen Termin warten mussten, von 33 auf 42 Tage. Besonders betroffen sind ländliche Regionen wie Brandenburg, wo auf einen Arzt 237 Patienten kommen – deutlich mehr als in Städten wie Hamburg.
Das Gesetz erlaubt Hausärzten zwar, Dringlichkeitsüberweisungen auszustellen, allerdings nur bei medizinischer Begründung. Doch viele Mediziner berichten von Druck, diese Regel zu umgehen. Rund 750 Hausärzte bundesweit, darunter über 200 in Nordrhein-Westfalen, geben an, dass Fachärzte unbegündete Eilüberweisungen verlangt hätten. Einige räumen ein, dass solche Forderungen auch durch finanzielle Anreize getrieben werden, da Dringlichkeitscodes die Vergütung erhöhen können.
Gleichzeitig geraten Hausärzte in Konflikt mit Patienten, wenn sie nicht dringende Überweisungen ablehnen. Zwar begrüßen die meisten die Priorisierung von Notfällen, doch kritisieren sie den zusätzlichen bürokratischen Aufwand und die ungerechte Finanzierung. Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) verteidigt die Regeln als rechtmäßig, sofern sie medizinisch begründet sind, räumt aber mögliche Missbräuche ein.
Die Prüfungen des Bundesrechnungshofs zeigen: Trotz höherer Kosten hat sich an den Wartezeiten nichts verbessert. Da nun sowohl Hausärzte als auch Krankenkassen Reformen fordern, könnte das Überweisungssystem bald grundlegend überarbeitet werden. Eine Neuregelung müsste jedoch einen fairen Zugang, finanzielle Tragfähigkeit und weniger Bürokratie in Einklang bringen.
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