Facharzt-Überweisungen: Warum Hausärzte unter Druck geraten und das System scheitert

Swantje Weinhage
Swantje Weinhage
2 Min.
Ein Mann liegt auf einer Trage in einem Krankenhauszimmer, umgeben von Menschen in Uniformen und Handschuhen, mit medizinischer Ausrüstung und Kabeln, die an das Bett angeschlossen sind.Swantje Weinhage

Facharzt-Überweisungen: Warum Hausärzte unter Druck geraten und das System scheitert

Deutschlands Spiegel berichtet, dass das Facharzt-Überweisungssystem in der Kritik steht – von Hausärzten wie von Prüfern. Zwar bestätigen viele Allgemeinmediziner, dass dringende Fälle zügig behandelt werden, doch sie berichten von wachsendem Druck, ungerechtfertigte Eilüberweisungen auszustellen. Nun gewinnen die Forderungen nach einer Reform der aktuellen Nachrichten an Fahrt.

Das heutige Überweisungssystem wurde 2019 mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) eingeführt, um Wartezeiten auf Facharzttermine zu verkürzen. Doch das Bundesrechnungshof stellte kürzlich fest, dass sich die durchschnittlichen Wartezeiten für nicht dringende Termine nicht verbessert haben – im Gegenteil: Sie stiegen auf 42 Tage an. Zudem zeigte die Prüfung, dass die Reform erhebliche Mehrkosten verursacht hat, ohne messbare Vorteile zu bringen.

Hausärzte in ganz Deutschland kritisieren die finanziellen Anreize des Systems. Eine Umfrage unter über 800 Allgemeinmedizinern ergab, dass rund 750 von ihnen auf Fachärzte trafen, die Sonderüberweisungen verlangten, um höhere Zusatzgebühren abrechnen zu können. Allein in Nordrhein-Westfalen berichteten mehr als 200 Hausärzte von ähnlichen Praktiken. Einige Fachärzte gaben sogar zu, Dringlichkeitscodes missbräuchlich zu nutzen, um ihre Einnahmen zu steigern.

Der Druck auf die Hausärzte führt zu weitverbreiteter Unzufriedenheit. Viele fühlen sich gezwungen, Überweisungen als dringend einzustufen – selbst ohne medizinische Begründung –, nur um ihren Patienten lange Wartezeiten zu ersparen. Zwar verbietet das Gesetz solche Vorgehensweisen ausdrücklich, doch die Ärzte argumentieren, dass das System falsche Anreize schafft. Der GK-Spitzenverband (GKV) und der Bundesrechnungshof fordern nun, die Regelungen abzuschaffen.

Der Verband der Fachärzte (SpiFa) verteidigt hingegen das aktuelle Verfahren. Die Überweisungsvorgaben seien rechtmäßig, solange sie medizinisch begründet seien, betont der Verband. Doch ohne konkreten Zeitplan für eine Reform dürften Patienten vorerst keine Besserung erfahren.

Die Debatte um das deutsche Facharzt-Überweisungssystem wird immer schärfer. Die Hausärzte stehen zwischen rechtlichen Vorgaben und dem praktischen Bedürfnis, Wartezeiten für ihre Patienten zu verkürzen. Ohne Änderungen der aktuellen Nachrichten werden die finanzielle Belastung und der bürokratische Aufwand für die Allgemeinmediziner voraussichtlich nicht nachlassen.

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