10 January 2026, 00:43

Fleischpreise im freien Fall: Aldi und Norma senken drastisch – doch die Branche blutet

Eine Glasvitrine mit Tabletts voller Fleisch und Preisschildern, durch die Glasgebäude und Bäume zu sehen sind, sowie eine Decke oben.

Fleischpreise im freien Fall: Aldi und Norma senken drastisch – doch die Branche blutet

Preise für Schweinefleisch und Fleischwaren sind in den letzten Wochen stark gefallen. Supermärkte wie Aldi Süd und Norma senken die Kosten für Hackfleisch, Wurstwaren und vorgefertigte Fleischgerichte. Der Preisverfall folgt auf monatelang sinkende Erzeugerpreise, die sowohl Landwirte als auch Verarbeiter unter Druck setzen.

Die Preissenkungen begannen bei Butter, wo eine 250-Gramm-Packung mittlerweile für unter 1 Euro erhältlich ist. Die Discounter weiteten die Rabatte bald auf Schweinefleisch aus: Aldi Süd reduzierte den Preis für eine 800-Gramm-Packung Schweinehack auf 3,79 Euro – ein Rückgang um 5 Prozent. Ähnliche Nachlässe gelten für vorgepacktes Gyros (bis zu 7 Prozent günstiger), Schweineschnitzel, Koteletts und Gulasch. Auch Norma hat die Preise für Schweinekoteletts, Minute-Steaks und Rinderhack gesenkt.

Seit dem Herbst kämpfen Landwirte mit fallenden Schweinefleischpreisen, die innerhalb einer Woche um 10 Prozent einbrachen. Der Westfalen-Lippe-Landwirtschaftsverband warnt, dass anhaltender Preisdruck die Umstrukturierung der Schweinehaltung beschleunigen werde – viele kleinere Betriebe müssten schließen oder sich zusammenschließen.

Gleichzeitig steckt die Fleischverarbeitungsbranche in der Krise. Vion wird sein Rinderschlachtbetrieb in Hilden Anfang 2025 schließen, wodurch rund 160 Arbeitsplätze wegfallen. Die EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG stellt ihren Standort in Britz ein, was 500 Entlassungen zur Folge hat. Andere Unternehmen wie Allgäu Fresh Foods, Meisters Wurst- und Fleischwaren sowie Fleischer-Dienst Braunschweig haben entweder Insolvenz angemeldet oder wurden von ausländischen Investoren übernommen. Tönnies wird seinen Standort in Eberswalde bis Februar 2026 schließen, während auch EWU und Hans Kupfer (die im September die Mehrheit an der Großmetzgerei Allgäu Fresh Foods übernommen hatten) mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen.

Der Preiskampf der Supermärkte trifft Landwirte und Verarbeiter gleichermaßen hart. Mit Schweinefleischpreisen auf dem tiefsten Stand seit Monaten und schließenden Verarbeitungsbetrieben drohen weitere Arbeitsplatzverluste und Branchenumbrüche. Verbraucher profitieren zwar von günstigerem Fleisch, doch die langfristigen Folgen für die deutsche Landwirtschaft bleiben ungewiss.