02 February 2026, 18:39

Gericht kippt jahrzehntealtes Einreiseverbot für Ex-Guantánamo-Häftling Slahi

Ein altes Buch mit dem Titel 'Z.D. Nürnberg, Deutschland, 1791' mit einem Stempel, der auf die erste Auflage hinweist, mit handgeschriebenem Text auf dem Papier.

Gericht hebt Einreiseverbot für Mann aus 'The Mauritanian' auf - Gericht kippt jahrzehntealtes Einreiseverbot für Ex-Guantánamo-Häftling Slahi

Ein deutsches Gericht hat ein jahrzehntealtes Einreiseverbot gegen Mohamedou Ould Slahi, einen ehemaligen Häftling von Guantánamo, aufgehoben. Mit dem Urteil darf Slahi erstmals seit dem Jahr 2000 wieder nach Deutschland einreisen – damals war er nach einer Verurteilung wegen Sozialbetrugs des Landes verwiesen worden. Slahi, der heute niederländischer Staatsbürger und EU-Bürger ist, hatte gegen das Verbot geklagt, um sich mit seiner Familie in Nordrhein-Westfalen wieder vereinen zu können.

In den 1990er-Jahren war Slahi nach Deutschland gezogen und hatte als Ingenieur gearbeitet, bevor er im Jahr 2000 wegen Sozialleistungsbetrugs verurteilt wurde. Die Stadt Duisburg verhängte daraufhin ein 20-jähriges Einreiseverbot. Dieser Beschluss blieb selbst nach Slahis Freilassung aus dem US-Gefangenenlager Guantánamo Bay bestehen, wo er von 2002 bis 2016 ohne Anklage inhaftiert war und später schwere Folter vorwarf.

Sein Rechtsstreit nahm eine Wende, als Slahi die niederländische Staatsbürgerschaft erhielt und damit das Recht auf Freizügigkeit innerhalb der EU erlangte. Das Oberverwaltungsgericht für Nordrhein-Westfalen erklärte das ursprüngliche Einreiseverbot für rechtswidrig und begründete dies damit, dass das EU-Recht Vorrang vor der früheren Anordnung habe. Die Richter prüften nicht einmal die Behauptung der Stadt Duisburg, Slahi könnte weiterhin eine Sicherheitsgefahr darstellen – sein EU-Status machte diese Argumentation gegenstandslos.

Seit seiner Freilassung arbeitet Slahi als Autor. Seine Memoiren "Tagebuch aus Guantánamo" – später verfilmt als "Der Mauritanier" (2021) – fanden weltweit Beachtung. Obwohl er regelmäßig für literarische Projekte durch Europa reist, war ihm die Einreise nach Deutschland bis jetzt verwehrt.

Mit der Gerichtsentscheidung ist das letzte rechtliche Hindernis für Slahis Rückkehr nach Deutschland gefallen. Dank seiner niederländischen Staatsbürgerschaft kann er nun unbehindert seine Familie im Rheinland besuchen. Das Urteil beendet ein Kapitel, in dem ein Einreiseverbot länger Bestand hatte als seine Haftzeit in Guantánamo.