14 February 2026, 00:57

Hagener Händler führt Beratungsgebühr gegen "Beratungsdiebstahl" ein

Ein volles Walmart-Geschäft mit Einkaufswagen schiebenden Kunden, umgeben von Warenpräsentationen, Schildern und Deckenleuchten.

Hagener Händler führt Beratungsgebühr gegen "Beratungsdiebstahl" ein

Einzelhändler in Hagen erhebt Gebühr für Beratung – als Schutz vor "Beratungsdiebstahl"

Ein kleiner Fachhändler in Hagen verlangt von Kunden nun eine Gebühr für ausführliche Beratungsgespräche im Geschäft – eine Maßnahme gegen den Trend, sich kostenlos informieren zu lassen und die Produkte anschließend günstiger online zu kaufen. Das Geschäft Schulranzen Kranz berechnet seit Kurzem 25 Euro für eine individuelle Beratung, die jedoch mit dem Kauf des Produkts vor Ort verrechnet wird. Inhaberin Stefanie Kranz bezeichnet diesen Schritt als Reaktion auf das, was sie als "Beratungsdiebstahl" bezeichnet.

Die neue Regelung gilt für ausführliche Beratungstermine, die in der Regel 45 bis 60 Minuten dauern. Kunden können diese Gespräche im Voraus über die Website des Händlers buchen. Kranz erklärt, die Gebühr solle verhindern, dass sich Kunden intensiv beraten lassen, um das Produkt später woanders – oft zu einem niedrigeren Preis – zu erwerben.

Bisher zeigt sich die Strategie erfolgreich: Über 90 Prozent der Kunden, die die Gebühr zahlen, entscheiden sich nach der Beratung für den Kauf im Geschäft. Die 25 Euro werden dann vom Endpreis abgezogen, sodass die Maßnahme für sie kostenneutral bleibt.

Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der deutsche Einzelhändler eine aktuelle Entscheidung des Kartellamts begrüßen, die Amazons Preiskontrolle über verschiedene Plattformen einschränkt. Laut dem Bundesverband E-Commerce entlastet dies kleinere Unternehmen, die im Wettbewerb mit Online-Riesen oft unter Druck geraten. Bisher gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass andere Händler ähnliche Beratungsgebühren einführen wollen.

Experten weisen darauf hin, dass sich solche Gebühren je nach Branche und Kaufkraft der Kunden unterschiedlich rechnen. Schulranzen Kranz bleibt vorerst dabei, seinen Service zu schützen und die Arbeitszeit der Mitarbeiter fair zu vergüten.

Die 25-Euro-Beratungsgebühr hat zu mehr Vor-Ort-Käufen geführt – die überwiegende Mehrheit der Kunden schließt den Kauf direkt im Geschäft ab. Die Maßnahme spiegelt die größeren Herausforderungen wider, vor denen kleine Händler in einem zunehmend digital geprägten Markt stehen. Für Schulranzen Kranz ist es ein Weg, Servicequalität und wirtschaftliche Tragfähigkeit in Einklang zu bringen.