19 December 2025, 18:23

Ikon der Schwulenbewegung - Rosa von Praunheim stirbt

Ein Mann in einem pink-weißen Kleid steht neben einem Rednerpult in einem Auditorium, mit Pflanzen und zwei Stühlen daneben und einer bunten Wand im Hintergrund.

Ikon der Schwulenbewegung - Rosa von Praunheim stirbt - Ikon der Schwulenbewegung - Rosa von Praunheim stirbt

Ikone der Schwulenbewegung – Rosa von Praunheim stirbt mit 83 Jahren

Ikone der Schwulenbewegung – Rosa von Praunheim stirbt mit 83 Jahren

Ikone der Schwulenbewegung – Rosa von Praunheim stirbt mit 83 Jahren

  1. Dezember 2025, 15:32 Uhr

Rosa von Praunheim, Pionier der Schwulenbewegung und prägende Figur des queeren Kinos, ist im Alter von 83 Jahren verstorben. Sein Tod ereignete sich am Dienstagabend in Berlin – überraschend, aber friedlich – nur wenige Tage nach seiner Hochzeit mit seinem langjährigen Partner Oliver Sechting. Mit seiner furchtlosen Haltung prägte von Praunheim die öffentliche Debatte über Homosexualität in Deutschland und darüber hinaus.

Geboren 1942, wurde er in den 1970er-Jahren mit provokanten Filmen zu einer Stimme des Widerstands, die gesellschaftliche Normen herausforderte. Sein Werk „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971) löste Empörung, Proteste und schließlich die ersten Christopher-Street-Day-Paraden in Deutschland aus. Die schonungslose Kritik an Unterdrückung festigte seinen Ruf als radikaler Filmemacher.

Während der AIDS-Krise widmete er sich zunehmend der Aktivismusarbeit und kämpfte unermüdlich für Safer Sex. Seine Aufklärungskampagnen retten vermutlich unzählige Leben, indem sie das Thema in den gesellschaftlichen Mainstream trugen. Über das Kino hinaus wurde er als Gast in Talkshows bekannt, wo sein konfrontativer Stil und seine scharfsinnigen Fragen bleibenden Eindruck hinterließen. Einer seiner berüchtigtsten Momente war 1991, als er den Moderator Alfred Biolek und den Komiker Hape Kerkeling live im Fernsehen outete. Die Konfrontation schockierte das Publikum, unterstrich aber sein unerschütterliches Engagement für Sichtbarkeit.

Auch in späteren Jahren blieb er aktiv: Er drehte „Rex Gildo – Der letzte Tanz“ und veröffentlichte kurz vor seinem Tod „Satanische Sau“. Seine letzten Tage waren von persönlichem Glück geprägt – erst vergangene Woche heiratete er Sechting, seinen Partner von vielen Jahren, in einer stillen Zeremonie. Freunde und Weggefährten erinnern sich an seinen ungebrochenen Geist und die Leidenschaft, mit der er jede Diskussion führte.

Rosa von Praunheim hinterlässt ein Erbe des Widerstands und des Fortschritts. Seine Filme und sein Aktivismus prägten die queere Kultur, während sein persönlicher Mut Generationen inspirierte. Zwar ist er nicht mehr unter uns, doch sein Einfluss lebt weiter – in den Bewegungen, die er mitgestaltete, und den Menschen, deren Leben er berührte.