Islamischer Unterricht an Schulen: 81.000 Schüler profitieren von wachsendem Angebot
Swantje WeinhageIslamischer Unterricht an Schulen: 81.000 Schüler profitieren von wachsendem Angebot
Islamischer Religionsunterricht fest in deutschen Schulen verankert
Der islamische Religionsunterricht (IRU) hat sich an deutschen Schulen fest etabliert: Im Schuljahr 2024/25 nehmen mindestens 81.000 muslimische Schülerinnen und Schüler daran teil. Elf Bundesländer bieten das Fach an, allerdings in sehr unterschiedlichem Umfang – von kleinen Pilotprojekten bis hin zu flächendeckenden Angeboten. Ein aktueller Bericht hebt die Vorteile hervor, darunter eine gestärkte religiöse Bildung und eine offeneren Haltung zum Glauben bei den Teilnehmenden.
In Nordrhein-Westfalen erhalten derzeit rund 32.000 Schülerinnen und Schüler islamischen Religionsunterricht, doch nur 247 der etwa 5.400 Schulen im Land bieten ihn an. Trotz der begrenzten Verfügbarkeit zeigt das Programm deutliche positive Effekte: Wer über einen längeren Zeitraum am IRU teilnimmt, entwickelt ein größeres religiöses Wissen und neigt seltener zu starren oder dogmatischen Ansichten. Der Lehrplan hilft den Jugendlichen zudem, ihre muslimische Identität mit demokratischen Werten in Einklang zu bringen und stärkt ihr Zugehörigkeitsgefühl zur Gesellschaft.
Der Bericht betont, dass eine längere Teilnahme am IRU die Wirkung schädlicher Online-Inhalte verringert. Eine starke Beschäftigung mit bestimmten religiösen Inhalten auf Plattformen wie TikTok stehe oft mit rückwärtsgewandten Überzeugungen in Verbindung, doch der Unterricht wirke dem entgegen. Bildungsministerin Dorothee Feller begrüßte die Ergebnisse als Beleg für den Erfolg des Programms bei der Unterstützung junger Musliminnen und Muslime.
In Deutschland wird der islamische Religionsunterricht in verschiedenen Modellen angeboten. Bayern, Berlin, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und das Saarland verfügen über aktuelle Teilnehmerzahlen, während Länder wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz auf ältere Daten oder kleine Versuchsprojekte zurückgreifen. Rheinland-Pfalz etwa bietet IRU an nur 31 Schulen mit über 2.900 Schülerinnen und Schülern an – doch keines der Bundesländer erreicht den Umfang des nordrhein-westfälischen Modells.
Die Autoren des Berichts empfehlen, den Unterricht auf alle Schulformen auszuweiten, die personelle Ausstattung zu verbessern, die Lehrpläne zu modernisieren und die Lehrerfortbildung zu stärken. Zudem sollten gesellschaftlich relevante Themen stärker behandelt und die Zusammenarbeit mit muslimischen Verbänden intensiviert werden. Kritiker monieren jedoch, dass diese Verbände nicht zu viel Einfluss auf die Gestaltung des Unterrichts haben sollten, und fordern eine inklusivere Entscheidungsfindung.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung des islamischen Religionsunterrichts für die Förderung religiöser Bildung und demokratischer Teilhabe unter muslimischen Schülerinnen und Schülern. Mit 81.000 Teilnehmenden bundesweit ist der Bedarf nach einem Ausbau offensichtlich. Die Empfehlungen des Berichts erhöhen nun den Druck auf die Länder, in Personal, Fortbildung und Lehrplanentwicklung zu investieren, um den langfristigen Erfolg des Programms zu sichern.