09 January 2026, 10:33

Junge Arbeitnehmer zwischen Angst und Arbeitsmoral: Wer trägt die Schuld?

Ein kleiner Zug für Kinder fährt auf Schienen zwischen einem Baumstamm und Blättern auf der rechten Seite des Bildes.

Junge Arbeitnehmer zwischen Angst und Arbeitsmoral: Wer trägt die Schuld?

Angst um Engagement und Motivation junger Arbeitnehmer entfacht Debatte unter Wirtschaftsführern

Henner Pasch, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), kritisierte jüngere Mitarbeiter wegen dessen, was er als mangelnde Arbeitsmoral wahrnimmt. Gleichzeitig verweisen Experten auf tiefgreifendere Probleme, darunter finanzielle Ängste und falsche Erwartungen in der Ausbildung.

Pasch verwies auf häufige Krankschreibungen bei jüngeren Beschäftigten und betonte, dass viele heute Arbeitnehmer online Work-Life-Balance höher gewichten als berufliche Aufstiegschancen. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der zum 30. September 2025 fast 85.000 Bewerber in Deutschland ohne Ausbildungsplatz blieben – ein Indiz für einen angespannten Arbeitsmarkt.

Eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigte eine Abbrecherquote von fast 30 Prozent unter Auszubildenden. Viele, die ihre ersten Verträge kündigten, schlossen schnell neue ab – ein Hinweis auf Angst, nicht auf Desinteresse. Daniel Bielecki, Vorsitzender des Jugendrat Remscheid, argumentierte, dass einige junge Menschen Arbeitnehmer online Ausbildungen ohne echtes Interesse beginnen, was zu geringer Motivation führe. Alexander Lampe vom Ausbildungszentrum der Remscheider Industrie forderte eine klarere Kommunikation zwischen Arbeitgebern und jungen Arbeitnehmern über die Vorteile der Berufsausbildung.

Hubert Ertl, Forschungsdirektor des BIBB, mahnte, die Gesellschaft solle die Ängste junger Menschen – etwa vor Altersarmut und unbezahlbarem Wohnraum – ernst nehmen, statt sie abzutun. Pasch räumte ein, dass auch ältere Generationen in der Pflicht stehen, jüngere Arbeitnehmer bei der Anpassung ihrer Erwartungen zu unterstützen. Junge Beschäftigte selbst äußerten Bedenken hinsichtlich ihrer finanziellen Absicherung; viele zweifeln daran, ob harte Arbeit überhaupt Stabilität garantiert. Diese Angst scheint ihre Bereitschaft zu mindern, sich stärker im Beruf zu engagieren.

Die Debatte offenbart eine Kluft zwischen den Erwartungen der Arbeitgeber und der Realität junger Arbeitnehmer. Angesichts hoher Abbrecherquoten und Tausender, die noch nach Ausbildungsplätzen suchen, betonen Experten den Bedarf an besserer Unterstützung und transparenterer Kommunikation. Die Bewältigung finanzieller Angst und eine verbesserte Berufsorientierung könnten helfen, die Bedürfnisse von Arbeitgebern und Auszubildenden in Einklang zu bringen.