"Kein Körper passt": Eine mutige Bühnenadaption feiert Premiere in Berlin
Eva-Maria Trüb"Kein Körper passt": Eine mutige Bühnenadaption feiert Premiere in Berlin
Eine mutige Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Roman Kein Körper passt feierte am Dienstag im Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg Premiere. Das Stück taucht ein in Themen wie genderfluide Identität, Selbstakzeptanz und den Kampf, jahrzehntelanges Schweigen zu brechen. Drei Schauspieler:innen teilen sich die Rolle der Protagonistin Kim und verleihen der Geschichte eines Körpers, der sich weigert, in binäre Kategorien gepasst zu werden, jeweils ihre eigene Energie.
Der Roman, der 2022 sowohl mit dem Deutschen Buchpreis als auch mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, begleitet Kim auf einer schonungslosen und kompromisslosen Reise. Ihre Suche beginnt, als die Demenz ihrer Großmutter sie zwingt, sich der Vergangenheit zu stellen. Erinnerungen ziehen sie zurück in eine Kindheit in einem Schweizer Vorort, wo ein Blutbuchenbaum – gepflanzt von ihrem Urgroßvater – als Symbol der Widerstandsfähigkeit steht.
Kims Körper ist fließend, entzieht sich festen Zuschreibungen, und ihre Suche nach Zugehörigkeit führt sie in die chaotische Welt von Sex, Nachtleben und der Dating-App Grindr. Die Bühnenfassung verstärkt diese Unruhe: Die drei Schauspieler:innen wechseln sich in weißen Spitzenkleidern ab und verkörpern so Kims wandelbare Identität. Ihre Darstellung zeigt nicht nur persönliche Traumata, sondern auch die Last transgenerationaler Wunden, die durch die mütterliche Linie weitergegeben werden.
Im Kern geht es im Stück darum, Scham in Stärke zu verwandeln. Die Erzählerin Kim, auf drei Darsteller:innen verteilt, verlangt sichtbar zu sein – nicht als Rätsel, das es zu lösen gilt, sondern als lebendige, sich ständig weiterentwickelnde Kraft. Die Inszenierung bleibt de l'Horizons unerbittlicher Vision treu und nutzt das Theater als Spiegel für Kims Weigerung, sich einengen zu lassen. Indem die Rolle auf drei Schauspieler:innen aufgeteilt wird, unterstreicht das Stück die Unmöglichkeit, Identität auf eine einzige Definition zu reduzieren. Die Premiere markiert einen weiteren Schritt für eine Geschichte, die die Debatten über Geschlecht, Erinnerung und die Körper, die wir erben, bereits neu geprägt hat.






