Kiekert meldet Insolvenz: Marktführer für Autoschlösser kämpft um Überleben
Eva-Maria TrübChinesischer Eigentümer möchte Kiekert behalten - Kiekert meldet Insolvenz: Marktführer für Autoschlösser kämpft um Überleben
Kiekert, der weltweite Marktführer für Automobil-Verriegelungssysteme, hat vorläufige Insolvenzverfahren eingeleitet. Der Schritt folgt auf finanzielle Schwierigkeiten, die mit dem chinesischen Eigentümer Lingyun zusammenhängen, der seine zugesagten Finanzierungsverpflichtungen nicht erfüllt hat. Trotz der Krise arbeiten die rund 4.500 Mitarbeiter des Unternehmens – darunter 700 in Deutschland – vorerst wie gewohnt weiter.
Die Insolvenzanmeldung kam für Lingyun überraschend: Das chinesische Unternehmen gab an, erst durch Medienberichte von dem Verfahren erfahren zu haben. Dennoch beabsichtigt Lingyun, die Mehrheit an Kiekert zu behalten und gleichzeitig die finanziellen Engpässe zu beheben. Wie Kiekert-CEO Jérôme Debreu mitteilte, habe die Weigerung Lingyuns, weitere Mittel in Höhe von mehreren hundert Millionen bereitzustellen, den Betrieb schwer gefährdet. Zudem warf er dem Anteilseigner vor, den Zugang zu wichtigen Märkten und Finanzierungen blockiert zu haben.
Das 168 Jahre alte Traditionsunternehmen Kiekert, das als Erfinder der modernen Zentralverriegelung gilt, war 2012 von Lingyun übernommen worden. Die Unternehmensführung strebt nun an, sich von dem chinesischen Eigentümer zu lösen, um das Wachstum zu sichern und die Rolle des Unternehmens als systemrelevanter Zulieferer der Automobilbranche zu erhalten. Lingyun hingegen hat zugesagt, Kiekert durch Liquiditätshilfen zu stabilisieren, die Gläubiger zu schützen und die Insolvenzrisiken abzuwenden.
Aktuell läuft der Geschäftsbetrieb ohne Unterbrechung weiter. Die Gehälter der deutschen Belegschaft sind bis November gesichert, und alle internationalen Standorte bleiben in Betrieb.
Im Rahmen des Insolvenzverfahrens wird sich zeigen, ob Kiekert die Trennung von Lingyun vollziehen und die finanzielle Stabilität wiedererlangen kann. Angesichts seiner Marktführerschaft und langen Geschichte hängt die Zukunft des Unternehmens davon ab, die Finanzkrise zu überwinden. Mitarbeiter und Gläubiger warten nun auf konkrete Maßnahmen, um das Unternehmen langfristig zu sichern.






