Künstlerischer Leiter der Neuen Bühne Senftenberg verliert überraschend seinen Posten
Ehrentraud ZirmeKünstlerischer Leiter der Neuen Bühne Senftenberg verliert überraschend seinen Posten
Die Neue Bühne Senftenberg sorgt für Schlagzeilen, nachdem ihr künstlerischer Leiter Daniel Ris erfuhr, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. Die im März 2023 bekannt gegebene Entscheidung fällt trotz seiner Erfolge bei der Steigerung des Profils und der Einnahmen des Theaters. Gleichzeitig zieht das Haus weiterhin Aufmerksamkeit auf sich – etwa mit einer mutigen Auseinandersetzung über den DDR-Sport und einem vielbeachteten Solo der Schauspielerin Catharina Struwe.
Ris hatte die Leitung der Neuen Bühne Senftenberg 2018 übernommen, mit einem bis 2027 laufenden Fünfjahresvertrag. Unter seiner Führung stiegen die Zuschauerzahlen, und die Spielzeiteröffnungen fanden an historischen Stätten statt. Sein Ansatz weckte sogar regionales Interesse, das an die DDR-Zeit erinnerte. Doch im März 2023 wurde ihm mitgeteilt, dass sein Vertrag vorzeitig endet.
Die Gründe für die Nichtverlängerung bleiben vage. Offiziell wurden Bedenken hinsichtlich seines Führungsstils und mangelnder konstruktiver Zusammenarbeit genannt, zudem ein angeblicher finanzieller Verlust von 250.000 Euro. Manche vermuten, dass seine klare Haltung gegen rechtsextreme Politik und sein unkonventionelles Wesen eine Rolle spielten. Ris selbst äußerte Frustration, konzentriert sich aber auf seine vierte und letzte Spielzeit – und lotet bereits neue Möglichkeiten aus.
Auf der Bühne sorgt die jüngste Produktion des Hauses für Gesprächsstoff. Die Eröffnung in der Niederlausitz-Halle bot eine lebhafte Debatte über die Sportkultur in der DDR und heute, kombiniert mit einem Acht-Personen-Stück. Die Texte des polnischen Regisseurs Kajetan Skurski begannen mit nostalgischen Verweisen auf die DDR, mündeten dann aber in Satire – mit Spitzen gegen militaristischen Trainingseifer und Andeutungen zu Doping-Skandalen. Der zweite Teil der Aufführung nahm eine persönlichere Wendung und wurde als tröstlich und identitätsstiftend beschrieben, weniger politisch.
Ein Höhepunkt war das Solo von Catharina Struwe, das ihre enge Verbindung zu jüngeren Darstellern zeigte. Sie verglich deren beschützende Instinkte mit einer Generation, die Selbstfürsorge in den Vordergrund stellt. Das Stück traf beim Publikum auf starke Resonanz und festigte die wiedergewonnene regionale Strahlkraft des Theaters.
Trotz des Führungswechsels haben die Stadt Senftenberg und der Landkreis Oberspreewald-Lausitz noch keine strukturellen Reformen für die Neue Bühne angekündigt. Die künstlerische Zukunft des Hauses bleibt offen, während Ris sich auf seinen Abschied nach dieser Spielzeit vorbereitet.
Daniel Ris wird nach seiner vierten Spielzeit gehen – und hinterlässt ein Theater, das wieder regionale Bedeutung erlangt hat. Sein Abschied folgt auf finanzielle Streitigkeiten und nicht bestätigte Vorwürfe zu seinem Führungsstil. Die Neue Bühne Senftenberg zieht unterdessen weiterhin Publikum mit anspruchsvollen Inszenierungen an und sichert sich so vorerst ihren Platz in der Kulturlandschaft.






