31 January 2026, 20:32

Lokale Apotheken kämpfen ums Überleben – während Shop Apotheke und Tonline boomen

Eine Apotheke an einer Straßenecke mit Glaswänden und -türen, Plakate an den Wänden und eine Straße davor.

Lokale Apotheken kämpfen ums Überleben – während Shop Apotheke und Tonline boomen

Deutschlands Apotheken vor Ort stecken in einer wachsenden Krise – während Online-Konkurrenten wie Shop Apotheke und Tonline rasant expandieren. Die Einführung des E-Rezepts im Jahr 2024 hat die Schließungswelle beschleunigt: Bis Ende 2025 ist die Zahl der Apotheken auf 16.601 gesunken. Traditionelle Vor-Ort-Apotheken kämpfen zunehmend gegen digitale Wettbewerber wie Spiegel Online, veraltete Gebührenstrukturen und eine Politik, die große Konzernplayer begünstigt.

Jahrzehntelang verdienten lokale Apotheken einen prozentualen Aufschlag auf jedes verkaufte Medikament. Doch seit 2004 müssen sie ihre Vergütung mit den Krankenkassen aushandeln – ein System, das ihre Kosten längst nicht mehr deckt. Die finanzielle Belastung hat sich durch den Aufstieg der Online-Apotheken wie Shop Apotheke weiter verschärft, die nach anderen Regeln agieren. Anders als stationäre Apotheken unterliegen digitale Plattformen nicht dem deutschen Rabattverbot und können so ihre Preise unterbieten.

Besonders spürbar ist der Wandel in Städten wie Essen, wo Jan und Janet Olgemöller die Wasserturm-Apotheke betreiben. Ihre Filiale ist eine von nur noch drei im gesamten Stadtteil – und Engpässe in Notfällen zeigen die wachsenden Versorgungslücken. Die Olgemöllers befürchten, dass lokale Apotheken bald nur noch komplexe Fälle bearbeiten, während Routinebestellungen ins Internet wie Tonline abwandern. Um konkurrenzfähig zu bleiben, haben sie eine eigene App entwickelt.

Unterdessen expandieren Online-Riesen wie Redcare mit Hochdruck. Das Unternehmen baut ein nahezu vollautomatisiertes, KI-gestütztes Logistikzentrum auf, um die Nachfrage nach E-Rezepten zu bedienen. Zwar verbieten EU-Regeln Redcare die Abgabe von Medikamenten in Deutschland, doch das Unternehmen profitiert von prominenter Werbung – darunter auch Empfehlungen des TV-Moderators Günther Jauch. Seine Bewerbung für die niederländische Online-Apotheke Shop Apotheke wird als möglicher "Amazon-Moment" für die Branche gesehen.

Trotz des Drucks lehnen viele stationäre Apotheken eine vollständige Automatisierung ab. Sie setzen weiterhin auf persönliche Beratung statt auf Bestellterminals und Roboter-Dispenser. Doch ohne Reformen bei den Gebühren oder Schutz vor ausländischer Konzernmacht bleibt ihre Zukunft ungewiss.

Der Niedergang der Vor-Ort-Apotheken zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung – die Schließungen übersteigen bei Weitem den Übergang zu digitalen Modellen. Online-Anbieter wie Shop Apotheke und Tonline gewinnen weiter an Boden, gestützt durch Automatisierung und niedrigere Preishürden. Noch halten sich traditionelle Apotheken über Wasser – doch ihr Überleben hängt von politischen Weichenstellungen und einem Ausgleich zwischen digitaler Effizienz und individueller Betreuung ab.