Marathon-Theater erlebt in Deutschland ein spektakuläres Comeback
Ehrentraud ZirmeMarathon-Theater erlebt in Deutschland ein spektakuläres Comeback
Deutsches Theater fordert sein Publikum seit jeher mit marathonslangen Aufführungen heraus. Von siebenstündigen Epen bis zu achtstündigen Wiederbelebungen klassischer Stücke – die Tradition extrem langer Inszenierungen ist nach wie vor lebendig. Das diesjährige Berliner Theatertreffen unterstrich diesen Trend einmal mehr: Tickets für opulente Produktionen wie Wallenstein waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.
Das Theatertreffen, eines der renommiertesten Theaterfestivals Deutschlands, findet in diesem Jahr vom 1. bis 17. Mai statt. Jährlich werden zehn herausragende Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgewählt. In diesem Jahr zeigte das Münchner KammerspieleWallenstein: Ein Schlachtenfest in sieben Gängen – eine siebenstündige Adaption von Schillers Trilogie. Die Karten für diese und ähnliche Langzeitproduktionen waren schnell vergriffen.
Der Trend ist nicht neu. Das Regietheater, das in den 1970er- und 1980er-Jahren aufkam, dehnte Vorstellungen oft bis an die Grenzen des Machbaren. Robert Wilsons Einstein on the Beach, 1976 uraufgeführt, dauerte vier bis fünf Stunden – ganz ohne klassische Handlung. Nun bringt die Berliner VolksbühnePeer Gynt zurück auf die Bühne, dessen erster Teil allein schon acht Stunden in Anspruch nimmt.
Die Pandemie unterbrach diese Tradition kurzzeitig. Während der Lockdowns und Wiedereröffnungen strichen viele Theater Pausen, um die Spielzeiten zu verkürzen. Doch nun sind die Langformate wieder gefragt. Sechs Stunden oder mehr für eine einzige Vorstellung zu veranschlagen, ist keine kleine Herausforderung. Doch für viele Zuschauer gehört genau diese Herausforderung zum Erlebnis dazu.
Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine Statistiken zu Spieldauern, doch der Erfolg der Marathon-Aufführungen ist unübersehbar. Festivals wie das Theatertreffen setzen weiterhin auf sie – und das Publikum kommt. Für Theater und Regisseure bleibt der Ausdauertest ein prägendes Merkmal der zeitgenössischen deutschen Bühnenkunst.






