Merz stärkt in Indien Handelsbeziehungen und sucht Alternativen zu China
Ehrentraud ZirmeMerz stärkt in Indien Handelsbeziehungen und sucht Alternativen zu China
Bundeskanzler Friedrich Merz besucht diese Woche Indien, um Handelsbeziehungen, Verteidigungskooperation und Technologiepartnerschaften zu stärken. Der Besuch erfolgt zu einem Zeitpunkt, in dem beide Länder angesichts sich wandelnder globaler Machtverhältnisse eine engere Zusammenarbeit anstreben. Für Berlin ist die Partnerschaft von strategischer Bedeutung – trotz anhaltender Differenzen in den Fragen China und Russland.
Die Reise folgt auf Jahre wachsender Kooperation, insbesondere in den Bereichen digitale Mode und nachhaltige Lieferketten. Ein neues Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien, das im Januar 2026 abgeschlossen wurde, hat bereits Zölle gesenkt und Handelsregeln für Unternehmen auf beiden Seiten vereinfacht.
Das Abkommen hat die Zusammenarbeit zwischen deutschen und indischen Firmen befördert, vor allem in der Textil- und Modebranche. Das in Düsseldorf ansässige Unternehmen Techno Design, ein von Indern gegründetes Unternehmen mit Schwerpunkt auf 3D-Digitaldesign für Kleidung, hat seine Zusammenarbeit mit indischen Herstellern wie Himanshu Apparels ausgebaut. Gemeinsam bieten sie nun Komplettlösungen für große deutsche und US-amerikanische Modemarken an.
Rajive Ranjan, CEO von Techno Design, ist überzeugt, dass ein vertieftes Handelsabkommen noch größere Vorteile bringen könnte. Er erwartet niedrigere Zölle und einen erleichterten Zugang zu Fachkräften, was dem Unternehmen helfen würde, sein Team in Indien weiter auszubauen. Das Unternehmen produziert bereits in Indien, China und Bangladesch, plant aber zusätzliche Investitionen in die KI-gestützte Modeentwicklung.
Indiens Tex-Eco-Initiative 2026–27 bringt zudem lokale Textilexporteure mit den EU-Nachhaltigkeitsvorgaben in Einklang. Das Programm führt digitale Produktpässe ein – mithilfe von QR-Codes und Blockchain-Technologie –, um den Lebenszyklus eines Kleidungsstücks zu verfolgen, die Einhaltung von ESG-Kriterien sicherzustellen und Standards wie die EU-Ökodesignverordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) zu erfüllen. Dieser Transparenzschub hilft kleinen und mittleren indischen Zulieferern, sich an die Anforderungen des europäischen Marktes anzupassen.
Doch bleiben Herausforderungen bestehen. Unternehmer verweisen darauf, dass komplexe EU-Vorschriften insbesondere für kleinere Betriebe nach wie vor Hürden darstellen. Gleichzeitig wirbt Neu-Delhi aktiv um deutsche Investitionen, um seine Abhängigkeit von China und Russland zu verringern – im Gegenzug werden Partnerschaften im Hochtechnologiebereich angeboten.
Deutsche Wirtschaftsverbände wie das Indien-Kompetenzzentrum verzeichnen ein wachsendes Interesse an Indien als alternativem Wirtschaftspartner. Die zunehmende Rolle des Landes in globalen Lieferketten zieht Unternehmen an, die über traditionelle Märkte hinaus diversifizieren möchten.
Der Besuch des Kanzlers unterstreicht die wachsenden Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Indien. Mit sinkenden Handelsschranken und sich angleichenden Nachhaltigkeitsstandards expandieren Unternehmen wie Techno Design ihre Aktivitäten. Dennoch werden regulatorische Hürden und geopolitische Unterschiede das Tempo der künftigen Zusammenarbeit weiterhin prägen.