Münchner Philharmoniker starten mit "Servus!" in ein neues Zeitalter unter Lahav Shani
Ehrentraud ZirmeMünchner Philharmoniker starten mit "Servus!" in ein neues Zeitalter unter Lahav Shani
Die Münchner Philharmoniker haben ihre Spielzeit 2026/27 mit einer deutlichen Demonstration der Geschlossenheit hinter ihrem Musikdirektor Lahav Shani eröffnet. Das Orchester, das Shani 2022 nach der Entlassung Valery Gergijevs wegen dessen Haltung zum Ukraine-Krieg berief, präsentiert seine Führung nun als den Beginn eines "neuen Zeitalters" für die Institution. Lokale Politiker und Unternehmenssponsoren unterstützen öffentlich seine künstlerische Vision – ein Zeichen für einen Neuanfang.
Shanis Amtsantritt in München folgte auf eine turbulente Phase. Sein Vorgänger Gergijew war im Zuge der politischen Kontroversen um den Ukraine-Krieg abberufen worden. Seither arbeitet das Orchester daran, sein Image wiederaufzubauen. Der Münchner Kulturreferent Marek Wiechers betont die "geschlossene Unterstützung" der Musiker für Shani. Auch Sponsoren wie BMW loben in ihren Jahresprogramm-Grußworten seinen internationalen Ruf.
Anders als Berlin, das mit einem weltoffenen "Welcome!" Simon Rattle begrüßte, setzt München auf eine andere Strategie. Die neue Kampagne des Orchesters steht unter dem Motto "Servus!", einem bayerischen Gruß, der Tradition mit Offenheit verbindet. Dies entspricht dem Münchner Muster kultureller Integration, bei dem fremde Einflüsse oft durch lokale Bräuche vermittelt werden – etwa wenn Ministerpräsident Markus Söder mit dem "Söder-Döner" türkische Küche auf bayerische Art adaptiert.
Die Entscheidung für "Servus!" statt "Schalom" unterstreicht Münchens Vorliebe für den "Bayernkult" statt eines expliziten Multikulturalismus. Zwar hätte "Schalom" die Weltoffenheit der Stadt betonen können, doch das Orchester setzte auf einen Begriff, der stärker mit regionaler Identität resoniert. Der Ansatz erinnert an frühere Projekte wie Rattles "Symphonischer Hoagascht" in München, bei dem klassische Musik mit bayerischer Volksmusiktraktion verknüpft wurde.
Die Spielzeit 2026/27 der Münchner Philharmoniker markiert unter Lahav Shani einen bewussten Wandel in der Selbstdarstellung. Durch die Verbindung von künstlerischer Erneuerung mit bayerischen Kulturelementen will das Orchester lokale Verbundenheit stärken, ohne seinen internationalen Ruf zu vernachlässigen. Der Ton der Kampagne deutet auf einen Fokus auf Einheit und Tradition hin, während die Institution in die Zukunft blickt.






