04 February 2026, 06:41

NRW führt ABC-Kurse ein – doch Schulen und Kitas sind überlastet

Eine Gruppe von Menschen, einige mit Taschen, geht vor einem großen weißen Gebäude mit Fenstern und Türen vorbei, umgeben von Bäumen unter einem klaren blauen Himmel.

NRW führt ABC-Kurse ein – doch Schulen und Kitas sind überlastet

Nordrhein-Westfalen führt verpflichtende "ABC-Kurse" für Kinder mit Sprachdefiziten ein

Kinder, die vor der Einschulung in frühen Sprachtests durchfallen, müssen in Nordrhein-Westfalen künftig verpflichtende "ABC-Kurse" besuchen. Bildungsministerin Dorothee Feller betont, dass kein Kind ohne ausreichende Deutschkenntnisse die Schule beginnen solle. Doch der Plan stößt auf massive praktische Hindernisse: Schulen und Kitas sind bereits am Limit.

Die neue Regelung sieht vor, dass Kinder mit schwachen Sprachkenntnissen zusätzliche Förderkurse besuchen müssen. Doch Schulen und Trägervereinigungen warnen, dass Platz- und Personalmangel die Umsetzung unmöglich machen. Viele Grundschulen sind bereits voll ausgelastet – für zusätzliche Gruppen gibt es keinen Raum.

Hinzu kommt das logistische Problem, Kinder mehrmals pro Woche zwischen Kitas und Schulen transportieren zu müssen. Sozialpädagog:innen, die ohnehin unter Druck stehen, fürchten, dass die zusätzliche Belastung die Bildungsqualität weiter verschlechtern könnte. Fachleute kritisieren, dass die Verlagerung des Problems von den Kitas in die Schulen die Herausforderungen nur verlagert, statt sie zu lösen.

Ohne zusätzliche Mittel für neue Gebäude oder Personal droht die Maßnahme, Lehrkräfte noch stärker zu überlasten. Der Landesansatz überträgt die Verantwortung auf die Kommunen – doch klare Ressourcen fehlen. Solange diese Fragen ungelöst bleiben, bleiben die ABC-Kurse ein theoretisches Konzept – eines, das bestehende Probleme verschärfen statt zu lösen könnte.

Ziel der Kurse ist es, die Sprachkompetenz vor der Einschulung zu verbessern. Doch die Umsetzung hängt davon ab, Raum- und Personalengpässe zu beheben. Ohne ausreichende Unterstützung könnte die Reform den Druck auf Schulen und Beschäftigte weiter erhöhen – mit Frustration und Burnout als Folge. Nachhaltigere Lösungen, wie der Ausbau multiprofessioneller Teams, werden als Alternative zu überstürzten politischen Maßnahmen diskutiert.