08 February 2026, 14:49

NRW-Kliniken in der Krise: Notfallvorsorge mit eklatanten Lücken

Ein gerahmtes Plakat zum 70. Jubiläum des Kaiser-Huldigungsfestes in Berlin, Deutschland, das eine Gruppe von Menschen in der Mitte zeigt, umgeben von Text und Zahlen.

NRW-Kliniken in der Krise: Notfallvorsorge mit eklatanten Lücken

Gibt es Deutsche Krankenhäuser sind auf Notfälle nur unzureichend vorbereitet – besonders bei Krise. Eine aktuelle Umfrage in Nordrhein-Westfalen (NRW) offenbart gravierende Mängel in der Notfallvorsorge: Es fehlt an Schutzräumen, Notstromversorgung und medizinischen Reserven. Experten warnen, dass viele Kliniken weder auf Massenanfälle von Verletzten noch auf längerfristige Krise vorbereitet sind.

Während des Kalten Krieges verfügte NRW noch über Hilfsbunker, die im Ernstfall als medizinische Schutzräume hätten genutzt werden können. Heute sind diese jedoch alle außer Betrieb – und kein einziges Krankenhaus in der Nähe in der Region verfügt über unterirdische Schutzbereiche. Das Bergmannsheil in Bochum, eine auf Unfallopfer spezialisierte Klinik, kann zwar kleinere Krisen bewältigen. Doch wie der ärztliche Direktor Mirko Aach einräumt, wäre die Einrichtung bei einem Angriff oder einer Krise mit einer großen Zahl von Verletzten überfordert.

Die meisten Krankenhäuser sind vollständig auf die externe Wasserversorgung angewiesen – nur jedes fünfte hält einen Vorrat an Flaschenwasser für eine Woche bereit. Eine Befragung von 53 NRW-Kliniken ergab, dass zwar 40 über Notstromaggregate verfügen, aber nur etwas mehr als die Hälfte den Betrieb drei Tage lang aufrechterhalten könnte. Das Bergmannsheil verfügt über fünf Dieselgeneratoren mit Treibstoff für 72 Stunden – ein Setup, das in Deutschland weit verbreitet ist.

Auch bei den medizinischen Reserven gibt es erhebliche Lücken. Zwar lagern die meisten Krankenhäuser essenzielle Medikamente für zwei bis sechs Wochen, doch Blutkonserven wären in einer Krise schnell aufgebraucht. Der Gesundheitsökonom Professor Boris Augurzky schlägt ein rotierendes Lagerungssystem vor, um Medikamentenverschwendung zu vermeiden. Gleichzeitig fehlt es an Mitteln für regelmäßige Notfalltrainings – viele Mitarbeiter sind daher nur unzureichend vorbereitet.

Die Kölner Kliniken haben eine mögliche Lösung präsentiert: ein neues zweistöckiges Untergeschoss, das im Friedensfall als Parkhaus dienen und im Krise als medizinisches Notfallzentrum umfunktioniert werden könnte. Doch das Projekt scheitert bisher an der Finanzierung. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) gibt offen zu, dass das Land keine Mittel für solche Vorhaben bereithält, verweist aber auf mögliche Bundesmittel aus dem Verteidigungsetat.

Die Umfrage und Expertenaussagen zeigen deutliche Schwachstellen in der deutschen Krankenhausinfrastruktur. Ohne gesicherte Schutzräume, zuverlässige Wasserreserven oder langfristige Stromlösungen wären viele Einrichtungen in einer längerfristigen Krise überfordert. Die chronische Unterfinanzierung verzögert dringend notwendige Modernisierungen – die Notfallvorsorge bleibt damit weiter prekär.