14 January 2026, 14:40

NRW schaltet wegen Extremwetters komplett auf Distanzunterricht um – doch ist das gerecht?

Eine Gruppe von Kindern, die an Tischen in einem Klassenzimmer sitzen, mit Büchern und Stiften auf den Tischen und Papieren an der Wand hinter ihnen.

NRW schaltet wegen Extremwetters komplett auf Distanzunterricht um – doch ist das gerecht?

Nordrhein-Westfalen (NRW) stellt wegen extremer Winterwetterlage komplett auf Distanzunterricht um

Aufgrund schwerer Winterbedingungen hat Nordrhein-Westfalen alle Schulen auf Fernunterricht umgestellt. Die landesweite Maßnahme trat am Montag, dem 12. Januar 2026, in Kraft, nachdem der Deutsche Wetterdienst eine bundesweite Warnung vor Glatteis herausgegeben hatte. Schulen in der gesamten Region sagten den Präsenzunterricht ab und wichen auf digitale Plattformen wie Teams und iServ aus, um Aufgaben zu verteilen.

Das Schulministerium NRW ordnete den Wechsel zum Distanzunterricht vorsorglich an. Zwar fanden keine regulären Unterrichtsstunden statt, die Schulen blieben jedoch für eine begrenzte Betreuung von Kindern geöffnet, die dennoch erschienen. Doch die kurzfristige Entscheidung wirft Fragen nach Gerechtigkeit und Praktikabilität auf.

Nicht alle Schüler:innen haben gleichen Zugang zu digitalem Lernen. Viele verfügen nicht über ein stabiles Internet, einen ruhigen Arbeitsplatz oder elterliche Unterstützung zu Hause. Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigte zudem, dass die meisten Kinder nur kurze Schulwege haben – ein Hinweis darauf, dass die Behörden die Sicherheit etwa durch frühere Winterdienste auf den Straßen hätten verbessern können, statt die Schulen komplett zu schließen. Kritiker monieren, dass ein klassischer "Schneetag" mit Unterrichtsausfall die einfachere Lösung gewesen wäre. Dies hätte vermieden, dass sich durch ungleichen Zugang zu digitalen Mitteln die Bildungsungleichheit weiter vertieft. Gleichzeitig sehen sich berufstätige Eltern nun mit unerwarteten Betreuungsproblemen konfrontiert, die durch die spontane Umstellung entstanden sind.

Auch in anderen Bundesländern wurden Schulen wegen der vereisten Bedingungen geschlossen. Unklar bleibt, wie effektiv der Distanzunterricht tatsächlich ist – insbesondere, wie gut Lehrkräfte ihre Inhalte für die digitale Vermittlung anpassen können.

Die Entscheidung betrifft Tausende Schüler:innen und Familien in NRW. Bis sich die Wetterlage bessert, wird auf digitale Plattformen gesetzt – doch die Sorgen über ungleiche Teilhabe und die Qualität des Lernens bleiben. Die Umstellung wirft zudem grundsätzliche Fragen auf: Wie lässt sich bei Extremwetter der Unterricht aufrechterhalten, ohne die Bildung zu beeinträchtigen?