"Ringel, Ringel, Reihe": Warum dieses Kinderlied so geheimnisvoll ist
Eva-Maria Trüb"Ringel, Ringel, Reihe": Warum dieses Kinderlied so geheimnisvoll ist
Das Kinderlied „Ringel, Ringel, Reihe“ ist auf Spielplätzen nach wie vor ein Dauerbrenner. Es gibt unzählige Varianten des Textes, was den Ursprung des Liedes noch rätselhafter macht. Trotz seiner Beliebtheit wird seit Langem über die wahre Bedeutung des Reims diskutiert.
Erstmals schriftlich belegt wurde das Lied 1881 auf Englisch – damit scheint es unwahrscheinlich, dass es, wie manche behaupten, mehrere Jahrhunderte alt ist. Historiker vermuten, dass es seinen Ursprung als Kinderspiel und -gesang im Deutschland des 18. Jahrhunderts hatte.
Einige Forscher führen es auf sogenannte „play parties“ zurück, bei denen junge Menschen religiöse Tanzverbote umgingen. Solche Treffen waren vor allem im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verbreitet. Die Theorie, die den Reim mit der Großen Pest von London 1665 in Verbindung bringt, gilt hingegen als moderner Mythos. Dieser Bezug wurde erstmals 1961 hergestellt – mehr als 80 Jahre nach dem ersten schriftlichen Nachweis des Liedes.
Die vagen Textzeilen haben zu den unterschiedlichsten Deutungen geführt, doch es gibt keine handfesten Belege für eine düstere historische Bedeutung. Die meisten Wissenschaftler sind sich einig, dass es sich schlicht um ein fröhliches Kinderlied ohne verborgene Botschaft handelt. Am plausibelsten ist die Annahme, dass der Reim von Anfang an als harmloses Spiel- und Bewegungslied für Kinder gedacht war. Die vielen Varianten und das Fehlen klarer historischer Bezüge machen andere Theorien unwahrscheinlich. Dennoch hält die Debatte die Neugier auf seine Vergangenheit wach.






