Streit um NRW-KiBiz: Erzieher protestieren gegen "Kernzeiten"-Modell in Kitas
Eva-Maria TrübLauter Protest gegen Kita-Gesetz - Schäffer setzt auf Dialog - Streit um NRW-KiBiz: Erzieher protestieren gegen "Kernzeiten"-Modell in Kitas
Vor dem Landtagsgebäude von Nordrhein-Westfalen ist es zu Protesten gekommen, als rund 300 Erzieherinnen und Erzieher gegen das neue Bildungsgesetz für den Elementarbereich demonstrierten. Unterdessen stellte die neu ernannte Ministerin Verena Schäffer nur vier Tage nach Amtsantritt das umstrittene Kinderbildungsgesetz (KiBiz) vor. Besonders die Einführung des sogenannten "Kernzeiten"-Modells sorgt bei Pädagoginnen, Pädagogen und Oppositionspolitikern für massive Kritik.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht der Vorschlag, wonach qualifiziertes Fachpersonal in Kitas künftig nur noch fünf Stunden täglich anwesend sein soll. Kritiker befürchten, dass dies außerhalb dieser Zeiten zu einer Verschlechterung der Betreuungsqualität führen könnte. Die FDP-Politikerin Yvonne Gebauer warnte, ohne klare Personalregelungen könne die Reform lediglich zu einer Umverteilung von Ressourcen führen, statt die Betreuung tatsächlich zu verbessern. Zudem deutete sie an, die Eile der Landesregierung bei der Verabschiedung des Gesetzes könnte dem Versuch dienen, eine Debatte vor der nächsten Wahl zu umgehen.
Die Opposition ließ nicht lange auf sich warten. Der AfD-Abgeordnete Carlo Clemens behauptete, die erst für 2027 geplante Umsetzung werde die bestehenden Probleme wie Überlastung, Personalmangel und sinkende Qualität in den Kitas weiter verschärfen. SPD-Sprecher Dennis Maelzer erkannte zwar Schäffers Engagement an, zweifelte jedoch daran, dass sie das Gesetz in diesem Stadium noch grundlegend ändern könne. Die Ministerin hingegen verteidigte das Modell und betonte, es biete mehr Flexibilität bei der Personaleinsatzplanung.
Schäffer hat zwar Dialogbereitschaft mit allen Beteiligten signalisiert, doch angesichts wachsender Proteste und zunehmenden politischen Drucks bleibt ungewiss, wie es mit der Reform weitergeht.
Das Kinderbildungsgesetz stößt sowohl bei Erzieherinnen und Erziehern als auch bei Oppositionspolitikern auf starken Widerstand. Sollte das "Kernzeiten"-Modell wie geplant umgesetzt werden, könnte es die frühe Bildung in ganz Nordrhein-Westfalen grundlegend verändern. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Schäffers Verhandlungsbereitschaft die Spannungen entschärfen kann – oder ob der Streit weiter eskaliert.