Viersen droht bis 2031 die Pleite – IHK warnt vor falschen Lösungen
Ehrentraud ZirmeViersen droht bis 2031 die Pleite – IHK warnt vor falschen Lösungen
Viersen steht vor einer wachsenden Finanzkrise: Prognosen zufolge droht bis 2026 ein Haushaltsdefizit von 39 Millionen Euro. Bei jährlichen Fehlbeträgen von 25 bis 35 Millionen Euro könnte die Stadt bis 2031 in die Insolvenz rutschen, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat sich nun zu Wort gemeldet – und warnt vor Steuererhöhungen. Stattdessen fordert sie strukturelle Reformen.
Der städtische Haushalt gerät zunehmend unter Druck, vor allem durch stark gestiegene Ausgaben für Jugendhilfe und den Kreisumlagebeitrag. In Kombination mit stagnierenden Einnahmen führen diese Belastungen zu wiederholten Defiziten. Viersen erhebt bereits jetzt die zweit höchsten Gewerbesteuern auf Betriebsimmobilien im IHK-Bezirk – ein weiterer Spielraum für Erhöhungen ist kaum vorhanden.
Die IHK lehnt Pläne ab, die Gewerbe- oder Grundsteuern anzuheben, da höhere Abgaben die wirtschaftliche Attraktivität der Stadt schwächen würden. Stattdessen schlägt sie vor, Gewerbegebiete auszuweiten, um steuerzahlende Unternehmen anzuziehen. Die Kammer unterstützt zwar den freiwilligen Konsolidierungskurs der Stadt, weist aber darauf hin, dass steigende Personalkosten die Sparbemühungen untergraben.
Über lokale Maßnahmen hinaus betont die IHK die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit mit Nachbarcommunen. Gemeinsame Dienstleistungen und schlankere Verwaltungsstrukturen könnten Kosten senken, ohne das Angebot für die Bürger zu kürzen. Dieser Ansatz entspricht einem bundesweiten Trend – insbesondere in Nordrhein-Westfalen kämpfen auch Städte wie Bergisch Gladbach und Sassenberg mit Haushaltslöchern. Eine KfW-Studie von 2025 ergab, dass 19 Prozent der deutschen Kommunen – darunter vermutlich mehrere in NRW – ihre Infrastruktur nicht mehr ausreichend instand halten können. Dies unterstreicht die Forderungen nach regionaler Kooperation.
Ohne grundlegende Reformen wird sich die finanzielle Schieflage Viersens weiter verschärfen – mit dem Risiko der Pleite noch vor Ende des Jahrzehnts. Die IHK setzt auf Effizienzsteigerungen und Wirtschaftswachstum statt auf Steuererhöhungen. Nun muss die Stadt entscheiden, ob sie die interkommunale Zusammenarbeit vertieft oder sich auf eine verschärfte Haushaltsnot einstellt.