22 January 2026, 08:47

Virtuelle Fahrspuren sollen die städtische Logistik revolutionieren – wie ViDeLL den Verkehr entlastet

Eine Straße mit Fahrzeugen, ein Gehweg in einer grünen Fläche, Laternen, Schilder, Bäume, Gebäude und ein bewölkter Himmel.

Virtuelle Fahrspuren sollen die städtische Logistik revolutionieren – wie ViDeLL den Verkehr entlastet

Ein neues Forschungsprojekt will die städtische Logistik revolutionieren, indem es virtuelle Fahrspuren für automatisierte Lieferfahrzeuge einführt. Die Initiative ViDeLL (Virtuelle Digitale Logistik-Lanes), geleitet vom Lehrstuhl für Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen, erhält Förderung von der Landesregierung Nordrhein-Westfalens und der EU. Ziel ist es, den Verkehr zu entlasten und gleichzeitig die Effizienz des Gütertransports in Städten und ihrem Umland zu steigern.

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Entwicklung eines Systems, das mithilfe von ‚vor-Ort‘-Sensornetzwerken virtuelle Spuren für Logistikfahrzeuge schafft und absichert. Diese Spuren sind nicht physisch abgetrennt, sondern werden dynamisch über Echtzeit-Verkehrsdaten zugewiesen. Algorithmen steuern ihren Betrieb und sorgen so für Flexibilität – ohne die hohen Kosten einer dedizierten Infrastruktur.

Die Forscher analysieren, wie automatisierte Logistikfahrzeuge mit anderen Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern, Radfahrern und Privatwagen interagieren. Parallel entsteht ein Sicherheitsrahmen, der potenzielle Risiken adressiert, sowie Lösungen für regulatorische Zulassungshürden. Zudem erarbeitet das Team politische Handlungsempfehlungen, um bestehende Gesetze an die neue Technologie anzupassen. ViDeLL konzentriert sich auf zwei zentrale Bereiche: die städtische ‚Last-Mile‘- und Einzelhandelslogistik sowie den industriellen Transport zwischen Produktionsstandorten. Anders als frühere Projekte steht dabei weder die Beschleunigung von Lieferzeiten noch die Integration von Elektrofahrzeugen im Vordergrund. Stattdessen geht es darum, die Verkehrsinfrastruktur durch digitale Innovation anpassungsfähiger und effizienter zu gestalten.

Professor Achim Kampker, Leiter des PEM-Lehrstuhls, warnt, dass der wachsende Güterverkehr die städtischen Straßen bald an ihre Grenzen bringen könnte. Das Projekt sucht nach einer rechtlich, technisch und wirtschaftlich tragfähigen Lösung, um automatisierte Logistik in bestehende Verkehrssysteme zu integrieren – und so den Kollaps zu verhindern.

ViDeLL vereint öffentliche Förderung und akademisches Know-how, um virtuelle Logistikspuren unter realen Bedingungen zu testen. Bei Erfolg könnte das System Staus reduzieren und gleichzeitig das Wachstum des automatisierten Güterverkehrs unterstützen. Die Ergebnisse könnten zudem künftige Regelungen für das städtische Verkehrsmanagement prägen.