23 December 2025, 08:44

Von Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten

Eine Gruppe von Menschen, die auf einer Straße stehen und Schilder und Fahnen halten, mit Gebäuden, Bäumen und Himmel im Hintergrund.

Von Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten

Von Durchstreichungen zur Gleichberechtigung – Solinger Pfarrerinnen erzählen ihre Geschichten

50 Jahre Gleichstellung in der Gemeinde – Wie Frauen auf die Kanzel kamenSolingen – Genau die Hälfte der 26 Pfarrer:innen im Kirchenkreis Solingen sind heute Frauen. Was heute selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis eines langen kirchlichen und gesellschaftlichen Lernprozesses. Denn die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt erreichte die Evangelische Kirche erst vor relativ kurzer Zeit.

Die Evangelische Kirche im Rheinland verzeichnet seit Jahrzehnten einen stetigen Anstieg an Pfarrerinnen. Heute sind genau die Hälfte der 26 Geistlichen im Solinger Kirchenkreis Frauen. Dieser Wandel ist das Ergebnis jahrzehntelanger Kämpfe um Gleichberechtigung – mit Wegbereiterinnen wie Gisela Vogel und Dr. Ilka Werner, die entscheidende Veränderungen vorantrieben.

Gisela Vogels Weg begann 1967, als sie ihre erste pfarramtliche Stelle antrat. Der Bescheid war an „Sehr geehrte Frau Vogel“ adressiert – handschriftlich korrigiert aus dem ursprünglichen „Lieber Bruder Vogel“. Im Laufe ihrer Karriere wirkte sie in mehreren Gemeinden, wurde später die erste Oberkirchenrätin im Rheinland und hatte einen Sitz im kirchlichen Leitungsgremium – als einzige Frau unter zwanzig Männern.

Während des Zweiten Weltkriegs übernahmen theologisch ausgebildete Frauen oft seelsorgerische Aufgaben, während die Männer an der Front waren. Doch nach Kriegsende wurden sie wieder in unterstützende Rollen gedrängt. Erst 1975 erreichte die Evangelische Kirche im Rheinland die rechtliche Gleichstellung im Pfarramt – ein Meilenstein. Dr. Ilka Werner, heute Superintendentin des Solinger Kirchenkreises, begann ihr Theologiestudium mit einem klaren Ziel: Sie wollte keinen Beruf ergreifen, in dem sie unter der Autorität eines Mannes stehen würde. Stattdessen strebte sie nach Unabhängigkeit und Führung – und übernahm schließlich die Leitung der Kirchenkreisverwaltung.

Raphaela Demski-Galla, die 2006 ihr Studium aufnahm, erlebte die Gleichberechtigung bereits als gelebte Realität. Dennoch beobachtete sie Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Pfarramt. Gisela Vogel nennt sie bis heute bewusst „Schwester“ – eine bewusste Reminiszenz an die Geschichte von Frauen in der Kirche. Für Demski-Galla steht der Beziehungsaufbau im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Ilka Werner betont, dass die Kirche die Vielfalt ihrer Mitglieder widerspiegeln muss – ob männlich, weiblich, nicht-binär, jung, alt oder mit unterschiedlicher sexueller Orientierung.

Heute ist die Leitung des Solinger Kirchenkreises paritätisch besetzt. Rechtliche Reformen und das Durchhaltevermögen von Pionierinnen wie Gisela Vogel haben das Pfarramt neu geprägt. Doch der Blick geht mittlerweile über die Geschlechterfrage hinaus: Es gilt, die gesamte Bandbreite der Gemeinde abzubilden.