Warum der Widerstand gegen den Neoliberalismus immer wieder scheitert – eine Bestandsaufnahme
Ladislaus DowergWarum der Widerstand gegen den Neoliberalismus immer wieder scheitert – eine Bestandsaufnahme
Krise der Kritik: Warum der Widerstand gegen den Neoliberalismus anhaltend scheitert
Die neue Essaysammlung Krise der Kritik untersucht, warum sich die Opposition gegen den Neoliberalismus nur schwer nachhaltig durchsetzen konnte. Die Herausgeber des Bandes argumentieren, dass das Verständnis dieser Schwächen entscheidend ist, um die gesellschaftlichen Umbrüche seit den 1970er-Jahren zu begreifen. Seit Langem diskutieren Wissenschaftler:innen, wie der Neoliberalismus zur vorherrschenden Ideologie wurde – und warum seine Kritiker:innen oft scheiterten.
Die Forschung zum Neoliberalismus lässt sich grob in zwei Stränge unterteilen: die strukturellen Verschiebungen im Kapitalismus und die geistesgeschichtlichen Wurzeln seiner Ideen. Doch wie Roman Kösters Analyse zeigt, bleibt der Begriff selbst häufig vage und fragmentarisch. Diese Unschärfe kann zu eng gefassten Kritikansätzen führen, die den Neoliberalismus nur als spezifische Ausprägung – statt als Teil umfassenderer wirtschaftlicher Systeme – ins Visier nehmen.
Die Proteste von 1968 umfassten auch scharfe Konsumkritik, die eng mit einer grundsätzlichen Kapitalismuskritik verknüpft war. Benjamin Möckels Arbeit widerlegt die Annahme, der Neoliberalismus habe schlicht systemische Kritik durch konsumorientierten Protest ersetzt. Tatsächlich hatten sich Elemente der Konsumkritik bereits während des Nachkriegbooms entwickelt und vermischten sich mit breiteren systemischen Argumenten.
Flemming Falz' Essay zeigt auf, wie Sozialdemokrat:innen und linksliberale Akteur:innen neoliberale Reformen häufig als Krisenreaktionen übernahmen. Besonders deutlich wurde dieser Trend in den 1990er-Jahren mit der Gründung der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS). Zwar verband die PDS identitätspolitische Ansätze mit keynesianischer Wirtschaftspolitik, doch eine starke antikapitalistische Opposition belebte sie nicht. Stattdessen drängte ihr Programm radikale Kritik an den Rand.
Die Beiträge in Krise der Kritik legen nahe, dass die Hartnäckigkeit des Neoliberalismus auch auf die Grenzen seiner Gegner:innen zurückzuführen ist. Wer sich zu sehr auf den Neoliberalismus als solches konzentriert, übersieht möglicherweise tiefere wirtschaftliche Strukturen. Die Erkenntnisse des Bandes deuten darauf hin, dass es breiter angelegter, robusterer Kritik bedarf, um herrschende Wirtschaftsideologien herauszufordern.






