Warum "verbissen" und "hungrig" im Fußball ein Widerspruch sein könnten
Eva-Maria TrübWarum "verbissen" und "hungrig" im Fußball ein Widerspruch sein könnten
Fußballtrainer und Spieler sprechen oft davon, dass Mannschaften "verbissen" oder "hungrig" sein müssen, um zu gewinnen. Diese Begriffe beschreiben eine Mischung aus Aggressivität, Fokus und unermüdlichem Einsatz. Doch die beiden Zustände passen möglicherweise nicht zusammen – die Wissenschaft deutet sogar darauf hin, dass sie sich widersprechen könnten.
Die Vorstellung, für Gegner "verbissen" oder gar "ekelerregend" zu wirken, hat im Fußball weite Verbreitung gefunden. Spieler wie Joshua Kimmich bezeichnen sich selbst als "noch verbissener, noch zäher, noch gnadenloser". Der jüngste Erfolg von Arminia Bielefeld wurde darauf zurückgeführt, "deutlich verbissener" als die Konkurrenten aufzutreten. Selbst Nationaltrainer Julian Nagelsmann forderte vor dem Spiel Deutschlands gegen Nordirland "Gier und Verbissenheit".
Doch die beiden Konzepte lassen sich vielleicht nicht so einfach vereinen. Galle, die dem Begriff "verbissen" seinen Namen gibt, wird nach dem Verzehr fetthaltiger, reichhaltiger Speisen produziert – was bedeutet, dass ein Spieler nicht gleichzeitig hungrig und verbissen sein kann. Manche Spieler gehen sogar so weit zu sagen, ihre Mannschaft solle für den Gegner "ekelerregend" sein – eine Anspielung auf Themen aus Jean-Paul Sartres Roman "Die Übelkeit" von 1938, in dem Ekel eine zentrale Rolle spielt.
Nicht jede siegreiche Mannschaft entspricht diesem Muster. Ein Team demontierte kürzlich Leverkusen mit 7:0, ohne dabei offensichtliche Verbissenheit oder Abscheu zu zeigen. Gleichzeitig wurde Maximilian Philipp von SC Freiburg im Training kritisiert, weil er "nicht verbissen genug" gewesen sei – ein Beweis dafür, wie tief diese Vorstellung im Fußball verankert ist.
Die Debatte über Verbissenheit und Hunger im Fußball betrifft nicht nur die Motivation – sie könnte auch biologische Gründe haben. Während einige Teams durch Aggressivität erfolgreich sind, gewinnen andere ohne sie. Vorerst werden Trainer und Spieler weiterhin beides einfordern – selbst wenn die Wissenschaft sagt, dass beides nicht gleichzeitig möglich ist.






