Wie Migrant:innen in den 1970ern gegen Ausbeutung und Rassismus kämpften
Eva-Maria TrübWie Migrant:innen in den 1970ern gegen Ausbeutung und Rassismus kämpften
Ein neues Buch beleuchtet die Geschichte von Arbeitskämpfen unter Migrant:innen in Deutschland der 1970er-Jahre. Unter dem Titel „Der Streik gab mir Kraft als junger Mensch. Migrantische Kämpfe gegen Ausbeutung und Rassismus“ untersucht es prägende Momente wie den Konflikt im Ford-Werk Köln. Herausgegeben wurde der Band von Nihat Öztürk, Nuria Cafaro, Bernd Hüttner und Florian Weis.
Am 30. August 1973 beendete die Polizei gemeinsam mit Werksschutz gewaltsam einen Streik im Kölner Ford-Werk. Vorwiegend migrantische Beschäftigte hatten bessere Arbeitsbedingungen und einen Aufschlag von einer D-Mark pro Stunde gefordert. Gleichzeitig sahen sie sich Schikanen durch Vorarbeiter und einige deutsche Kollegen ausgesetzt – es gab sogar Berichte über körperliche Übergriffe während des Arbeitskampfs.
Das Buch würdigt diesen Streik als Wendepunkt für die Selbstermächtigung von Migrant:innen, der später von antirassistischen Bewegungen aufgegriffen wurde. Es thematisiert auch andere erfolgreiche Arbeitsniederlegungen desselben Jahres, etwa bei Pierburg in Neuss oder Hella in Lippstadt – beide von migrantischen Frauen angeführt. Unterschiedliche Perspektiven auf die Rolle des Betriebsrats und der IG Metall während des Ford-Streiks werden dabei gegenübergestellt.
Über die historische Aufarbeitung hinaus verbindet das Werk die Kämpfe von damals mit aktuellen Arbeitskonflikten. So werden etwa Fahrradkurier:innen porträtiert, die sich als Erben der Kämpfe von vor 50 Jahren sehen.
Erschienen 2025 im Verlag Die Buchmacherei, umfasst das Buch 467 Seiten und kostet 22 Euro. Es bietet eine fundierte Auseinandersetzung mit der Geschichte migrantischer Lohnarbeit und ihrem anhaltenden Einfluss. Die Herausgeber:innen dokumentieren dabei nicht nur die Debatten, sondern auch das bleibende Erbe dieser Kämpfe.






