Wiesbaden 1940: Zeitzeugenbericht enthüllt bürgerliches Leben unter den Nazis
Eva-Maria TrübWiesbaden 1940: Zeitzeugenbericht enthüllt bürgerliches Leben unter den Nazis
Öffentliche Veranstaltung in Wiesbaden: Ein Blick auf die NS-Zeit durch die Augen eines Zeitzeugen
Am 12. Oktober lädt eine kostenlose öffentliche Veranstaltung in Wiesbaden dazu ein, die Geschichte der Stadt während der NS-Diktatur aus der Perspektive eines damaligen Bürgers zu erkunden. Der Historiker Ralf A. Gmelin präsentiert im Stadtmuseum persönliche Aufzeichnungen seines Großvaters. Die Matinee mit dem Titel "1940. Die versunkene bürgerliche Welt" bietet einen authentischen Einblick in das Leben vor und nach 1933.
Die Veranstaltung beginnt um 11:00 Uhr im Stadtmuseum am Marktplatz. Ralf A. Gmelin wird aus den Manuskripten seines Großvaters Hans Gmelin lesen, diese erläutern und einordnen. Die Aufzeichnungen dokumentieren die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik bis in die frühe NS-Diktatur.
Hans Gmelins Schriften halten den raschen Niedergang des jüdischen Lebens in Wiesbaden fest – ein Abbild der Entwicklungen im gesamten Deutschland. Bereits 1939 wurden jüdische Familien zwangsweise in sogenannte "Judenhäuser" wie Kaiser-Friedrich-Ring 80 oder Lortzingstraße 7 umgesiedelt. Unternehmen brachen unter Boykotten und der "Arisierung" zusammen, bevor 1942 Deportationen in Lager wie Sobibor folgten. Die Erfahrungen der Stadt spiegeln die systematische Verfolgung wider, wie sie auch in Orten wie Ehrenberg oder Frankfurt zu beobachten war.
Die Matinee ist Teil der Reihe "Lokalhistoriker – 4. Staffel" und möchte Geschichte aus der Nahperspektive eines einfachen Bürgers zeigen, der dramatische Veränderungen miterlebte.
Die Besucher erhalten durch die privaten Aufzeichnungen einen direkten Zugang zur Wiesbadener Vergangenheit. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei. Das Stadtmuseum führt im Rahmen seiner historischen Reihe weiterhin ähnliche Veranstaltungen durch.