Zwei Brüder kämpfen in Berlin um Bleiberecht und Arbeitserlaubnis nach Polizeitod ihres Bruders
Swantje WeinhageZwei Brüder kämpfen in Berlin um Bleiberecht und Arbeitserlaubnis nach Polizeitod ihres Bruders
Breites Bündnis in Berlin setzt sich für dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse für zwei Brüder ein, deren Bruder bei einem Polizeieinsatz starb
Die beiden Brüder Sidy und Lassana Dramé aus dem Senegal leben seit zwei Jahren in Berlin, wo sie die juristischen Auseinandersetzungen um den Tod ihres Bruders Mouhamed begleiten. Doch ihre aktuellen Aufenthaltsgenehmigungen sind inzwischen abgelaufen – sie dürfen daher nicht mehr legal arbeiten.
In einem offenen Brief fordern zivilgesellschaftliche Gruppen die Stadt auf, den beiden Sicherheit und das Recht auf eine Existenzsicherung durch Arbeitserlaubnisse zu gewähren. Während die Behörden ihren Fall prüfen, harren die Brüder – einer als ehrenamtlicher Nähkursleiter, der andere als Assistent eines Künstlers – in einer unsicheren Lage aus.
Sidy Dramé, 39, ein ausgebildeter Schneider, leitet in Berlin wöchentlich eine kostenlose Nähwerkstatt auf ehrenamtlicher Basis. Sein jüngerer Bruder Lassana, 26, unterstützt eine lokale Künstlerin – ebenfalls unentgeltlich. Beide fehlt es an Arbeitserlaubnissen, die ihnen ein regelmäßiges Einkommen ermöglichen würden.
Ihr Aufenthalt in Deutschland hängt mit dem Tod ihres Bruders Mouhamed im Jahr 2022 zusammen, der bei einem Polizeieinsatz in Berlins Nordstadt getötet wurde. Fünf Beamte wurden später in einem Prozess freigesprochen, da das Gericht die Anwendung tödlicher Gewalt zur Verhinderung eines Suizids für gerechtfertigt hielt. Kritiker warfen jedoch vor, dass der Einsatzleiter durch den Einsatz von Pfefferspray die Situation unnötig eskaliert habe. Eine Revision liegt nun beim Bundesgerichtshof, doch ein neuer Verhandlungstermin steht noch nicht fest.
Die Aufenthaltsgenehmigungen der Brüder liefen aus, während sie sich für das Verfahren in Deutschland aufhielten. Daraufhin unterzeichneten über 40 lokale Organisationen – darunter Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum – einen offenen Brief, in dem sie die Stadt auffordern, den beiden eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis und Arbeitsrechte zu gewähren. Die Migrationsanwältin Claire Deery argumentiert, dass ihre Papiere aufgrund des laufenden Revisionsverfahrens verlängert werden sollten und dass eine Arbeitserlaubnis ihnen die Möglichkeit geben würde, sich selbst zu versorgen.
Berlins Stadtkämmerer Jörg Stüdemann erkannte ihre schwierige Lage an und sprach sich für eine Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnisse aus. Das Ausländeramt prüft nun, ob erstmals Arbeitserlaubnisse erteilt werden können. Die Behörden bezeichneten den Fall als einzigartig und signalisierten Bereitschaft, eine Lösung zu finden.
Die Entscheidung des Ausländeramts wird darüber entscheiden, ob Sidy und Lassana Dramé in Berlin bleiben und legal arbeiten dürfen. Bei einer Genehmigung könnten sie nach zwei Jahren der Unsicherheit endlich eine feste Arbeit und eine stabile Wohnsituation finden. Das Ergebnis wird auch zeigen, wie die Stadt mit Fällen umgeht, die mit laufenden Rechtsverfahren und zivilgesellschaftlichem Engagement verbunden sind.