ARD und ZDF setzen auf persönliches Storytelling – doch funktioniert es wirklich?
Swantje WeinhageARD und ZDF setzen auf persönliches Storytelling – doch funktioniert es wirklich?
ARD und ZDF experimentieren mit mutigen neuen Reportageformaten, um jüngere Zuschauer zu erreichen. Die öffentlichen Rundfunkanstalten setzen dabei auf Serien wie exactly und Crisis, die auf persönliche Erzählweisen und emotionale Berichte setzen. Ziel ist es, Nachrichten für die Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen anschaulicher und nahbarer zu gestalten.
Eine aktuelle Studie untersuchte fünf dieser Formate und stellte fest, dass sie sich bewusst von klassischen journalistischen Maßstäben abgrenzen. Statt Neutralität und Objektivität rücken die Reporter:innen selbst in den Mittelpunkt – ihre Perspektiven prägen die Geschichte, manchmal auf Kosten des eigentlichen Themas.
Bei jungen Zuschauer:innen kommt dieser Ansatz gut an: Sie empfinden ihn als glaubwürdig und leicht zugänglich. Formate wie exactly geben zudem unterrepräsentierten Stimmen Raum und thematisieren Geschichten, die in den klassischen Medien oft übergangen werden. Doch die Sender stehen vor einer Herausforderung: Wie lässt sich Authentizität wahren, ohne in Selbstbezogenheit abzurutschen?
Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass manche junge Zuschauer:innen den wiederholten "Ich-bezogenen" Stil langsam ermüdend finden. Zwar brechen diese Formate mit Konventionen, doch ihr langfristiger Erfolg bleibt ungewiss. Bisher fehlen Vergleichsdaten zu Reichweite oder Einschaltquoten älterer jugendorientierter Angebote wie funk oder Y-Kollektiv.
Der Aufstieg des persönlichen Storytellings im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zeigt den Versuch, für jüngere Zielgruppen relevant zu bleiben. Die Sender müssen nun abwägen: Wie lassen sich emotionale Nähe und journalistische Substanz in Einklang bringen, ohne dass die Nachricht selbst in den Hintergrund gerät? Entscheidend wird sein, wie flexibel diese Formate auf sich wandelnde Sehgewohnheiten reagieren.






