Die "Pizza Connection": Wie lockere Gespräche zwischen Union und Grünen Politikgeschichte schrieben
Ehrentraud ZirmeDie "Pizza Connection": Wie lockere Gespräche zwischen Union und Grünen Politikgeschichte schrieben
Die "Pizza Connection": Wie eine lockere Runde aus Konservativen und Grünen die Politik prägte – ohne je eine Koalition zu stiften
Eine informelle politische Runde, einst scherzhaft als Pizza Connection bekannt, brachte jahrelang Mitglieder aus den Reihen der deutschen Unionsparteien und der Grünen zusammen. Ziel der Treffen war es, trotz ideologischer Gräben gemeinsame Positionen zu finden – doch eine formelle Koalition entstand daraus nie. Der Name selbst spiegelte die Skepsis vieler Konservativer wider, die eine Zusammenarbeit mit den Grünen zunächst für undenkbar hielten.
Jahre später hat nun das Restaurant, das mit den Anfängen der Runde verbunden ist, nach monatelanger Renovierung wieder eröffnet. Die politischen Gespräche hingegen existieren weiter – wenn auch leise und abseits der Öffentlichkeit – als beständiges, aber unauffälliges Element der deutschen Politik.
Die Pizza Connection begann als Reihe unaufgeregter Gespräche zwischen Unionspolitiker:innen und Grünen, oft in einer Bonner Pizzeria. Zu den frühen Teilnehmer:innen zählten Persönlichkeiten wie Armin Laschet und Cem Özdemir. Später stießen auch Jens Spahn und Omid Nouripour zu ähnlichen Runden dazu.
Den Namen prägte damals der damalige CSU-Generalsekretär Bernd Protzner, der offen bezweifelte, dass Konservative und Grüne jemals zusammenarbeiten könnten. Trotz seiner Bedenken fanden die Treffen weiter statt – eine schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene blieb jedoch aus.
Ein grüner Politiker, der an mehreren Sitzungen teilnahm, bezeichnete die Runden später als "leere Schwatzbuden", die keine echten politischen Differenzen überbrücken konnten. Die Gespräche fanden stets ohne die Spitzengremien der Parteien statt, auch wenn diese gelegentlich eingeladen wurden. Vertraulichkeit war oberstes Gebot – die Inhalte drangen kaum an die Öffentlichkeit.
In der aktuellen Legislaturperiode traf man sich im Oktober erstmals wieder – organisiert von der grünen Bundestagsabgeordneten Claudia Müller. Aktuell nehmen jedoch keine amtierenden Politiker:innen von Union oder Grünen an solchen Runden teil – zumindest nicht unter dem Namen Pizza Connection.
Das ursprüngliche Bonner Restaurant, das mit den Anfängen der Gruppe verbunden war, hatte unterdessen fünf Monate lang geschlossen, bevor es Mitte Oktober unter neuer Leitung wiedereröffnete. Der Wechsel in der Führung folgte auf die Ankündigung der bisherigen Besitzer:innen, sich in den Ruhestand zurückzuziehen; das Lokal ging an einen Nachkommen über.
Die Pizza Connection bleibt eine historische Fußnote der deutschen Politik – geprägt von lockeren Gesprächen, die nie zu einem formalen Bündnis führten. Das Restaurant, in dem einst diese Treffen stattfanden, hat unter neuer Leitung wieder geöffnet. Bisher gibt es in der aktuellen Legislaturperiode keine vergleichbare überparteiliche Runde. Die Erinnerung an diese politischen Experimente bleibt damit vorerst ein Relikt vergangener Zeiten.






