16 April 2026, 04:19

Familie Dichand übernimmt volle Kontrolle über die Kronen Zeitung nach jahrzehntelangem Streit

Schwarze und Weiße Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939 mit der Schlagzeile 'Weitpreubliche Zeitung' und einem Foto von Menschen in traditioneller deutscher Tracht in einer feierlichen Umgebung.

Familie Dichand übernimmt volle Kontrolle über die Kronen Zeitung nach jahrzehntelangem Streit

Die Familie Dichand übernimmt die volle Kontrolle über die österreichische Kronen Zeitung, nachdem ein langjähriger Streit um die Eigentumsverhältnisse beigelegt wurde. Christoph Dichand, der aktuelle Verleger, hat die Zustimmung erhalten, die Anteile der deutschen Funke-Mediengruppe zu übernehmen. Damit erfüllt sich ein jahrzehntealter Traum seines verstorbenen Vaters Hans Dichand, der die Zeitung 1959 mit deutscher Unterstützung gegründet hatte.

Der Deal beendet eine Partnerschaft, die begann, als der deutsche Medieninvestor Kurt Falk die Hälfte des Startkapitals für die Kronen Zeitung bereitstellte. Sein Anteil blieb bis 1987 bestehen, bevor er an die WAZ-Gruppe überging, die heute zur Funke-Mediengruppe gehört.

Die Kronen Zeitung startete 1959 als Joint Venture zwischen Hans Dichand und Kurt Falk, der 50 Prozent der Anteile hielt und die Zeitung bis 1987 finanziell unterstützte. Nach seinem Ausscheiden übernahm die WAZ-Mediengruppe – 1948 vom Sohn eines Krupp-Schlossers, Jakob Funke, gegründet – den deutschen Anteil. Im Laufe der Zeit entwickelte sich WAZ zum größten regionalen Zeitungsverlag Deutschlands und erweiterte ihren Einfluss auch nach Österreich.

1988 gründeten die Kronen Zeitung, der Kurier und WAZ das gemeinsame Unternehmen Mediaprint, das für Druck, Vertrieb und Anzeigen zuständig ist. Die redaktionellen Entscheidungen blieben jedoch getrennt. Es gab Befürchtungen, die Kronen Zeitung und der Kurier könnten sich politisch angleichen, insbesondere wegen der Verbindungen der Raiffeisen-Gruppe zur österreichischen Mitte-rechts-Partei ÖVP und deren berichtetem Interesse am Kurier. Doch Journalisten beider Zeitungen setzten sich gegen externen Druck zur Wehr und verhinderten eine ideologische Ausrichtung.

Christoph Dichand erbte nicht nur die Anteile seines Vaters, sondern auch dessen Misstrauen gegenüber den deutschen Miteigentümern. Sein Vorhaben, die volle Kontrolle zurückzugewinnen, steht nun kurz vor dem Abschluss. Die Übernahme würde Jahrzehnte ausländischer Beteiligung beenden und die Familie Dichand als alleinige Eigentümer zurücklassen.

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Die Geschichte der Kronen Zeitung kreuzte sich gelegentlich mit der österreichischen Kulturszene. Zwei Intendanten des renommierten Wiener Burgtheaters – Claus Peymann 1986 und Matthias Hartmann 2009 – leiteten zuvor das Schauspielhaus Bochum, die Stadt, in der WAZ gegründet wurde. Diese Verbindung unterstreicht die indirekten Bezüge zwischen deutschen Medien und österreichischen Institutionen.

Sobald der Deal abgeschlossen ist, wird die Kronen Zeitung vollständig in den Händen der Familie Dichand liegen. Damit endet ein Kapitel, das mit Hans Dichands Abhängigkeit von deutschen Investitionen begann. Die Journalisten der Zeitung haben trotz früherer Bedenken hinsichtlich politischer Einflüsse ihre redaktionelle Unabhängigkeit bewahrt.

Mediaprint wird weiterhin die nicht-redaktionellen Abläufe für die Kronen Zeitung, den Kurier und WAZ steuern. Diese Struktur stellt sicher, dass sich die tägliche Produktion der Zeitungen trotz des Eigentümerwechsels weiterhin koordiniert vollzieht.

Quelle