28 March 2026, 10:25

Holzingers Sancta polarisiert mit radikaler Nonnen-Oper in Stuttgart

Plakat für das Théâtre de l'Opéra in Paris mit einer Frau in einem weißen Kleid mit einem blauen Schal, ihr Haar zu einem Dutt gebunden, vor einem tiefblauen Nachthimmel mit Sternen.

Holzingers Sancta polarisiert mit radikaler Nonnen-Oper in Stuttgart

Florentina Holzingers Sancta feiert provokantes Comeback an der Staatsoper Stuttgart

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Am vergangenen Wochenende kehrte Sancta von Florentina Holzinger mit einer mutigen Inszenierung an die Staatsoper Stuttgart zurück. Die provokante Performance, in der Nonnen auf Rollschuhen über die Bühne fegen und radikale Bühnenelemente eingesetzt werden, sorgte bei der Premiere dafür, dass 18 Zuschauer medizinisch versorgt werden mussten. Basierend auf Paul Hindemiths umstrittenem Einakter von 1922, Sancta Susanna, stellt die Produktion traditionelle Opernformen und die christliche Geschichtsschreibung infrage – indem sie weibliche Stimmen in einen Raum rückt, der lange von Männern dominiert wurde.

Die Wurzeln von Sancta reichen zurück bis zu Hindemiths Sancta Susanna, ein Werk, das 1921 von ebenjenem Opernhaus wegen angeblicher Blasphemie abgelehnt wurde. Ein Jahrhundert später treibt Holzingers Neuinterpretation die Grenzen noch weiter: Eine Mischung aus Theater, Tanz und Oper, die manche Zuschauer verunsicherte. Die Probenphase zog sich über Monate hin, wobei bis zur Premiere immer wieder neue Elemente eingefügt wurden.

Die Dirigentin Marit Strindlund, bekannt für ihr Wirken im experimentellen Musiktheater, wurde persönlich von Stuttgarts Opernintendant Viktor Schoner für die Leitung der Produktion ausgewählt. Ihre Erfahrung mit avantgardistischen Aufführungen passte perfekt zur kühnen Vision des Stücks. Trotz der heftigen Reaktionen bei der Premiere bleibt die Nachfrage nach Karten hoch – während die Vorstellungen im Oktober noch Plätze frei haben, sind die November-Termine bereits ausverkauft.

Der konfrontative Stil des Werkes spiegelt Holzingers Absicht wider: die Rolle der Frau in der Kirchen- und Operngeschichte zurückzuerobern. Durch die Brechung von Erwartungen – sei es durch rollschuhfahrende Nonnen oder schonungslose Bühnenszenen – zwingt die Inszenierung das Publikum, sich mit Themen wie Macht, Glaube und Ausgrenzung auseinanderzusetzen.

Die medizinischen Vorfälle bei der Premiere unterstreichen die polarisierende Wirkung von Sancta, doch die Aufführungsserie wird wie geplant fortgesetzt. Mit Terminen am 3.–5. Oktober und 1.–2. November sorgt die Mischung aus Kontroverse und künstlerischem Anspruch dafür, dass die Produktion weiter für Gesprächsstoff sorgen wird. Karten für die November-Vorstellungen sind bereits vergriffen, doch für die Oktober-Termine sind noch Plätze über die Staatsoper Stuttgart buchbar.

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