Vonovia-Chef fordert radikale Reform der Mietpreisbremse vor seinem Abschied
Swantje WeinhageVonovia-Chef fordert Reform der Mietpreisbremse - Vonovia-Chef fordert radikale Reform der Mietpreisbremse vor seinem Abschied
Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia fordert grundlegende Reform der Mietpreisbremse
Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender von Vonovia, hat weitreichende Änderungen an den deutschen Mieterschutzgesetzen gefordert. Der Manager kritisierte die aktuelle Regelung als mitverantwortlich für die Verschärfung des Wohnungsmangels und die Verzerrung des Marktes. Seine Äußerungen fallen in eine Phase starker finanzieller Wachstumszahlen des Unternehmens – kurz vor seinem geplanten Abschied Ende des Jahres.
Die sogenannte Mietpreisbremse, 2015 eingeführt, um die explodierenden Mieten in Ballungsräumen einzudämmen, begrenzt die Miete für Neuverträge auf maximal zehn Prozent über dem örtlichen Durchschnitt. Buch argumentiert, dass dieses System alle Mieter – selbst Gutverdiener – pauschal benachteilige, statt gezielt einkommensschwache Haushalte zu entlasten.
Unter Buchs Führung wuchs Vonovia zum größten Wohnungsunternehmen Europas. Seit dem Börsengang 2013 trieb er das Unternehmen durch Übernahmen voran, darunter die von Gagfah, Buwog und Deutsche Wohnen. Doch die Mietpreisbremse lehnte er stets als "massiven Eingriff" ab, der Investitionen hemme und die Wohnungsnot verschärfe.
Die Zahlen für die ersten neun Monate 2022 zeigen: Die Durchschnittsmiete von Vonovia stieg auf 8,28 Euro pro Quadratmeter – ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn kletterte auf rund 3,4 Milliarden Euro und drehte damit einen Verlust von 592 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum in die Gewinnzone. Treiber waren höhere Mieten, Zusatzdienstleistungen und Immobilienverkäufe.
Buchs Abschied war bereits Anfang des Jahres angekündigt worden; sein Nachfolger wird Luka Mucic, ehemaliger SAP-Manager und aktueller Finanzvorstand von Vodafone. Vor seinem Ausscheiden mahnte Buch die Politik noch einmal, die Mietregulierung so umzugestalten, dass sie sozial Schwache schützt, ohne den gesamten Markt zu ersticken.
Vonovias Forderung nach Reformen spiegelt die grundsätzlichen Spannungen um bezahlbaren Wohnraum in Deutschland wider. Während die Geschäftszahlen des Konzerns steigende Mieten dokumentieren, betont der scheidende Chef, dass die aktuellen Regeln mehr schaden als nützen. Mit dem Führungswechsel 2023 dürfte die Debatte um die Mietpreisbremse weiter an Fahrt aufnehmen.






