08 April 2026, 08:30

Warum Pressestellen nicht mehr mit Journalist:innen sprechen wollen

Ein Mann im Anzug und Krawatte spricht vor einer Wand in ein Mikrofon, wahrscheinlich spricht er die Genehmigung eines Gesetzes zur Internet-Sperre durch die Regierung an.

Warum Pressestellen nicht mehr mit Journalist:innen sprechen wollen

Journalist:innen und Pressestellen driften auseinander – Telefonate bleiben unbeantwortet, E-Mails sind oft die einzige Option

Immer häufiger klagen Reporter:innen und Pressereferent:innen über mangelnden Austausch. Viele Journalist:innen berichten, dass ihre Anrufe ignoriert werden und sie sich auf E-Mails als einziges Kommunikationsmittel beschränken müssen. Die Entwicklung sorgt für Frust – manche fragen sich sogar, ob Pressestellen überhaupt noch direkt mit Medien sprechen.

Eine aktuelle Diskussion auf LinkedIn unterstrich die wachsende Kluft. Fachleute von großen Medienhäusern teilten ihre Erfahrungen: unbeantwortete Anrufe, standardisierte E-Mail-Antworten. Den Anstoß gab der freiberufliche Journalist John Stanley Hunter mit einem Post: "Warum sprechen Pressestellen nicht mehr mit der Presse?" Seine Frage traf einen Nerv – Reaktionen kamen von Redakteur:innen und Reporter:innen aus ganz Deutschland.

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Jan Dams, Chefredakteur der "Welt am Sonntag", räumte ein, dass Anrufe bei Pressestellen heute kaum noch erfolgreich seien. Stattdessen heiße es fast immer nur: "Schicken Sie eine E-Mail."Marco Cabras, Mitgründer von newskontor, pflichtete ihm bei und fragte, warum Journalist:innen so oft telefonisch unerreichbar seien – stattdessen gebe es nur unpersönliche E-Mail-Adressen. Thomas Holzamer, verantwortlicher Redakteur von "Finance Online", berichtete von ähnlichen Erfahrungen: Presseteams gingen selten ans Telefon, Antworten kämen fast ausschließlich per Mail.

Anette Dowideit, Chefredakteurin von "Correctiv", erklärte, schriftliche Stellungnahmen seien aus rechtlichen Gründen unverzichtbar. Ohne dokumentierte Aussagen riskierten Medien, Zitate falsch wiederzugeben oder Quellen zu verfälschen. Sachar Klein, Chief Attention Officer bei hypr, ergänzte, dass Journalist:innen PR-Verantwortliche oft mit einem schnellen "Schreiben Sie das einfach alles in eine E-Mail" abwimmelten. Peter Ehrlich, Reporter der "Süddeutschen Zeitung", argumentierte, dass ohne direkte Mobilnummern der Zugang zu Pressestellen nahezu unmöglich sei.

Nicht alle bewerten die Veränderung jedoch negativ. Michael Knauer, Reporter bei "Automobilwoche", erkannte den Trend an, betonte aber, dass Vertrauen weiterhin zu wertvollen Hintergrundgesprächen führen könne. Lutz Cleffmann, Geschäftsführer der ECCO Düsseldorf, vermutete, dass die zunehmende Vorsicht in der Unternehmenskommunikation aus Angst vor Fehltritten rühre – was direkte Gespräche reduziere.

Die Debatte hat zudem eine Leserumfrage angestoßen, in der Medienfachleute ihre eigenen Erfahrungen mit der Erreichbarkeit von Pressestellen teilen können.

Die Diskussion zeigt einen deutlichen Wandel in der Zusammenarbeit zwischen Journalist:innen und Pressestellen: Die E-Mail hat sich als dominierendes – oft einziges – Kommunikationsmittel durchgesetzt. Während einige die Notwendigkeit schriftlicher Dokumentation verteidigen, warnen andere, dass der Verlust direkter Kontakte Transparenz und Effizienz in der Berichterstattung beeinträchtigt.

Die Umfrage bleibt geöffnet – so können weitere Fachleute ihre Meinung äußern, ob dieser Trend Bestand haben wird.

Quelle