Wasserstoffausbau in Deutschland stockt – fossile Energien dominieren weiter
Ladislaus DowergWasserstoffausbau in Deutschland stockt – fossile Energien dominieren weiter
Deutschlands CO2-arme Wasserstoffwirtschaft stockt – Rückschläge beim Ausbau
Laut dem aktuellen Gasbilanz-2025-Bericht hat Deutschlands Vorstoß in Richtung CO2-arme Wasserstoffwirtschaft einen Dämpfer erhalten. Die Studie, die auf der Energiefachmesse E-world energy & water in Essen vorgestellt wurde, zeigt einen deutlichen Rückgang der geplanten Elektrolysekapazitäten. Während ursprünglich bis 2030 über 11 Gigawatt (GW) an Projekten erwartet wurden, sind nun nur noch 7,2 GW fest eingeplant.
Gleichzeitig ist die Abhängigkeit des Landes von Erdgas gewachsen: Der Verbrauch stieg 2025 um 3 Prozent. Engpässe bei den erneuerbaren Energien zwangen zu einer stärkeren Nutzung fossiler Kraftwerke – ein Rückschlag für den Umstieg auf saubere Alternativen.
Der Bericht verdeutlicht die Verzögerungen beim Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur. Ursprünglich waren für 2024 noch 11,3 GW Elektrolyseleistung vorgesehen, doch diese Prognose wurde auf 7,2 GW nach unten korrigiert. Hohe Stromkosten, unklare regulatorische Rahmenbedingungen und fehlende langfristige Abnahmeverträge haben Investoren abgeschreckt. Viele Projekte wurden verschoben oder ganz gestrichen.
Trotz dieser Herausforderungen gibt es auch Fortschritte: 2025 wurden rund 525 Kilometer Wasserstoff-Pipelines fertiggestellt – das Rückgrat des künftigen deutschen Wasserstoffnetzes. Auch Biomethan gewinnt an Bedeutung: Rund 11,5 Terrawattstunden (TWh) wurden im vergangenen Jahr ins Gasnetz eingespeist. Dennoch bleiben unsichere politische Weichenstellungen ein Risiko für den weiteren Ausbau erneuerbarer Gase.
Fossile Energien dominieren weiterhin den Stromsektor Anfang 2025 deckten Gas- und Kohlekraftwerke aufgrund geringer Wind- und Solarstromerzeugung 72 Prozent des Strombedarfs. Mit einer durchschnittlichen CO₂-Intensität von 344 Gramm pro Kilowattstunde (g CO₂/kWh) liegt Deutschland damit deutlich über Ländern wie Großbritannien, wo der Kohleausstieg die Emissionen auf etwa 180 g CO₂/kWh gedrückt hat.
Der Gasverbrauch erholte sich 2025 und stieg auf 835 TWh – ein Plus gegenüber dem Vorjahr. Auch sein Anteil am Primärenergieverbrauch kletterte von 25,9 auf 26,9 Prozent. Die Entwicklung unterstreicht die anhaltende Rolle von Gas als Brückentechnologie in Phasen schwacher erneuerbarer Stromerzeugung.
Gemischtes Fazit für die Energiewende Die Gasbilanz 2025 zeichnet ein zwiespältiges Bild: Der Wasserstoffausbau stockt, da viele Projekte an wirtschaftlichen und regulatorischen Hürden scheitern. Gleichzeitig zeigen der Ausbau der Pipeline-Infrastruktur und die steigende Biomethan-Nutzung erste Erfolge.
Erdgas bleibt jedoch ein zentraler Baustein der Energieversorgung – besonders dann, wenn erneuerbare Energien nicht ausreichend verfügbar sind. Angesichts des wachsenden Verbrauchs steht Deutschland vor der Herausforderung, Klimaziele mit einer sicheren Stromversorgung in Einklang zu bringen.