23 March 2026, 02:18

Wie ein Rap-Konzert das Berliner Haus der Kulturen der Welt in die Krise stürzte

Schwarzes und weißes Bild des Reichshallen Theaters in Berlin, das das Auditorium mit Sitzreihen, Säulen und einer Decke zeigt, einschließlich Text am unteren Rand.

Wie ein Rap-Konzert das Berliner Haus der Kulturen der Welt in die Krise stürzte

Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin steht seit Monaten in der Kritik, nachdem es im Oktober 2023 ein Konzert des Rappers Chefket absagte. Die Entscheidung, die unter dem Einfluss von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer getroffen wurde, löste Vorwürfe der Zensur aus und führte zu einem flächendeckenden Boykott deutscher Künstler. Die Folgen prägten den Ruf und die Arbeit der Institution noch bis ins Jahr 2026 hinein.

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Der Streit eskalierte, als der schwäbische Rapper und "Rap-Botschafter" des Goethe-Instituts anlässlich des Jahrestags des Hamas-Angriffs auf Israel 2023 im HKW auftreten sollte. Sein geplanter Auftritt sowie das Tragen eines "Palästina"-T-Shirts mit arabischer Kalligrafie, die an die Umrisse Israels erinnerte, führten zu Antisemitismusvorwürfen. Unter politischem Druck sagte die Spielstätte das Event ab – was sofortige Gegenreaktionen auslöste.

In Solidarität mit Chefket verweigerten daraufhin alle anderen deutschen Künstler Auftritte im HKW. Der Boykott griff auch international: Medien wie der Guardian und Al Jazeera deuteten den Vorfall als Beispiel für Deutschlands restriktiven Umgang mit palästinafreundlichen Positionen. Förderinstitutionen, darunter das Goethe-Institut, überprüften ihre Unterstützung, während Partnerschaften bröckelten.

Die Kontroverse spielte sich unter der Leitung des kamerunischen Kurators Bonaventure Soh Bejeng Ndikung ab, der 2023 zum Intendanten des HKW ernannt worden war. Seine "postkoloniale" Programmarbeit hatte bereits zuvor Kritik in der deutschen Kulturszene hervorgerufen. Gleichzeitig inszenierte der Satiriker Jan Böhmermann im HKW die Ausstellung "Die Möglichkeit des Unvernunft", die die Krise der Institution thematisieren sollte – doch Kritiker warfen der Schau vor, über das Ziel hinauszuschießen.

Trotz der Turbulenzen führte das HKW weiterhin internationale Acts auf, etwa ein jüngstes Konzert des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil. Doch die Schäden blieben: Bis 2026 prägten Führungswechsel und schrumpfende Kooperationen den veränderten Status der Einrichtung.

Wolfram Weimer, dessen Intervention maßgeblich zur Absage von Chefkets Konzert beitrug, kehrte später in eine ZDF-Talkshow zurück. Die Affäre hinterließ das HKW in einer ungewissen Zukunft – die Bundespolitik ignorierte die in zentraler Berliner Lage nahe dem Bundeskanzleramt gelegene Institution weitgehend.

Die Absage des Chefket-Konzerts löste eine Kettenreaktion aus, die die Rolle des HKW im globalen Kulturdiskurs neu definierte. Boykotte, Förderprüfungen und Personalwechsel folgten, während die Fähigkeit der Institution, hochkarätige Veranstaltungen auszurichten, schwand. Der Fall bleibt ein zentraler Bezugspunkt in Debatten über künstlerische Freiheit und politischen Einfluss im deutschen Kulturbetrieb.

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